ANGEBOTE

Jesuskind im Osterei

Miniatur in Eierbrosche: Das Jesuskind schläft auf einem kreuzförmigen Steinaltar
Miniatur in Eierbrosche: Das Jesuskind schläft auf einem kreuzförmigen Steinaltar

Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind die drei ganz großen Feste christlichen Glaubens:

  • Weihnachten: Gott wird Mensch,
  • Ostern: Jesus Christus besiegt den Tod in seiner Auferstehung,
  • Pfingsten: Der Hl. Geist beseelt die Kirche Jesu Christi immer wieder neu.

 

Unser Bild zeigt das Jesuskind auf dem Kreuz schlafend in einem Osterei. Das Ei ist seit jeher ein tiefes Symbol für neues Leben, für Auferstehung: hinter einer harten Schale entwickelt sich weiches neues Leben.

Das Kreuz des Karfreitags steht für viele Menschen für die Härte des Schicksals, des Lebens überhaupt. Der Mensch gewordene Gott sprengt diese Härte – das Ei bricht auf, die Auferstehung bringt neues Leben und Jesu Geist belebt die Seelen derer neu, die an IHN glauben.

GESEGNETE OSTERZEIT !


Bild und Text:  Christoph Kreitmeir OFM


Mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt!

(c) Marianne J. / pixelio.de

Aus Lukas 15,1-3.11-32:
"Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: […] Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden."

Gedanken zum Evangelium am vierten Fastensonntag von Sylvia, der Postulantin der Klarissen in Münster:

Der ältere Sohn, der Prototyp: pflichtbewusst, verlässlich, immer da – und neidisch bis zur Halskrause.

Jesus selbst ein „Erstgeborener“ (lassen wir es offen, ob seine „Brüder und Schwestern“ vielleicht „Halbgeschwister“ oder „Cousins und Cousinen“ waren…), kann sich bemerkenswert gut in die Psyche des Älteren hineinversetzen.

Aber Jesus sieht auch den Reichtum, in dem dieser Sohn lebt und für den er selbst blind ist: die Geborgenheit im Haus des Vaters, die ständige Gegenwart in seiner Liebe, die selbstverständliche Gütergemeinschaft.

Dem Sohn im Gleichnis können die Augen erst geöffnet werden, als er es wagt, seinen Zorn in Worte zu fassen und seine Bedürfnisse klar zu formulieren, aber auch dazu scheint ihm die Großherzigkeit seines Vaters das Rüstzeug gegeben zu haben. Vielleicht erhält auch er dadurch die Freiheit, wie Jesus seinen ganzen Reichtum auch anderen zu gönnen und ihn zu teilen – in der Gewissheit, dadurch selbst nicht ärmer zu werden.

Text: Sylvia
Bild: (c) Marianne J./pixelio.de


Schwester Mond

Der Mond über der Basilika Vierzehnheiligen

Der heilige Franz von Assisi besang im berühmten Sonnengesang den Mond als „sora luna“, als Schwester Mond. Der Mond – im Deutschen ist er männlich – wird heute nicht mehr so wahrgenommen wie früher als die Welt nachts nicht so erleuchtet war – eigentlich schade.

Der Mond ist seit alters her ein Taktgeber des Lebens. Der Mond be-stimmt den Wechsel von Ebbe und Flut, den monatlichen Zyklus der Frau, er hat Einfluss auf Wachstum und Sterben. Der Mond ist in vie-len Religionen – auch im Christentum – ein Taktgeber des Kalenders. Sein Lauf über das Firmament ist dafür verantwortlich, dass das Jahr in 12 Monate eingeteilt wurde. Die Römer weihten dem Mond einen Tag der Woche – unseren Mon(d)tag.

Mitte Februar beginnt für uns Christen dieses Jahr die vorösterliche Bußzeit, die Fastenzeit. Wir bereiten uns auf das Fest der Auferstehung JESU CHRISTI vor. Das Osterfest wurde vom Konzil von Nizäa im Jahre 325 auf den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt. Alle anderen kirchlichen Feste, wie z. B. Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind daher auch vom Mond abhängig.

Schade, dass der Mond heutzutage so wenig beachtet wird. Vielleicht sollten wir einfach wieder öfter in den Nachthimmel schauen und uns am Dasein des Mondes freuen, der auf vielfältige Weise unser Leben bestimmt. Meist unbeachtet – fast so wie GOTT.


Text: P. Christoph Kreitmeir OFM
Foto: Dr. Herwig Hertel


„Alles ins Lot bringen“ in der Familie

Bruder Johannes ist Seelsorger in Hermeskeil

Heute unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen ist es schwer die Familie ins Lot zu bringen. Vielfältige Anforderungen von außen beschneiden oft das gemeinschaftliche Zusammenleben in der Familie: Flexibilität des Berufes, selbstverständlich erwartete Überstunden,  finanziellen Zwänge, zerstreut lebende Großfamilie …etc.. Um eine Linie in diese Herausforderungen hineinzubringen und die Situation ins Lot zu bringen, bedarf es einer bestimmten Gewichtung im Leben.

Im Evangelium von der Hochzeit zu Kana, gaben die Diener der Botschaft Jesu Gewicht, sie taten was er sagte, genau dadurch verwandelte sich das Wasser zu Wein, die trübe Stimmung zu einer neu entfachten Freude. Wenn eine Familie z. B. ein bescheidenes Leben führt, statt den Luxus zu steigern, würde sie der Botschaft Jesu Gewicht geben.

Vielleicht ließe sich dann die Arbeit für Mann und Frau um ein paar Stunden reduzieren, um dem Gemeinschaftsleben mit Kindern mehr Raum geben zu können. Wie eine Familie letztendlich gewichtet kann sie nur selbst herausfinden, doch es wird notwendig sein, um alles ins Lot zu bringen.

Von Bruder Johannes, Hermeskeil
zum Caritas Familiensonntag


Von Angesicht zu Angesicht

Das Hochfest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus – Weihnachten – ist gefühlsmäßig der Höhepunkt im Jahresablauf. Irgendwie rührt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes jeden Menschen in seinem Innern an ...

Menschen sehnen sich bewusst oder unbewusst nach Gotteserfahrung. Ein neugeborenes Kind, das an Weihnachten im Zentrum unserer Wahrnehmung ist, lässt das innere Kind in uns lebendig werden. Johannes und Simon – liegen sich gegenüber – von Angesicht zu Angesicht. Neugeborene Zwillinge in ihrer Wiege... geborgen.

Gott begegnete Mose von Angesicht zu Angesicht (vgl. Ex 33, 11) und der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“ (1 Kor 13, 12)

An Weihnachten begegnet das göttliche Kind unserem inneren Kind von Angesicht zu Angesicht und kurz können wir erkennen, was das Ziel unserer Sehnsucht ist, weil wir liebevoll erkannt werden.

 

 

Bild: Franziskanerkloster Vierzehnheiligen
Text: P. Christoph Kreitmeir OFM


Berufung

Vom Pferd gefallen bin ich nicht… (Paulus übrigens auch nicht),
aber dennoch… von Berufung reden möchte ich schon.

Der Monat September ist bei uns Franziskanern der Monat, in dem die Novizen zum ersten Mal ihre Profess ablegen, in dem die Postulanten in der Feier der Einkleidung in den Orden aufgenommen werden und neue Postulanten ihren Weg in unserer Gemeinschaft beginnen. Berufungswege…

Mich begleiten seit Jahren ein Gedicht und ein Bild auf meinem Lebens- und Berufungsweg:

  • Seit meiner Feierlichen Profess das Gedicht ‚Ja oder Nein‘ von Paul Roth. Darin heißt es: Du kannst dir nicht ein Leben lang die Türen alle offen halten, um keine Chance zu verpassen. Auch wer durch keine Türe geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen eine nach der anderen zu. Wer selber leben will, der muss entscheiden: Ja oder Nein - im Großen und im Kleinen.
  • Und seit meiner Priesterweihe das Bild der Skulptur ‚Der Hörende‘ von Toni Zenz: Ein Mensch der im wahrsten Sinn des Wortes ‚ganz Ohr ist‘, der mit seiner ganzen Existenz ein Hörender ist.

 

Im Gedicht und im Bild wird deutlich, dass jeder Ruf eine Antwort braucht, ein Hinhören, ein Sich-Entscheiden, ein Losgehen.

Berufung ist immer ein Dialog zwischen einem, der ruft und einem der gerufen wird, zwischen einem, der wirbt und einem, der umworben wird, zwischen einem, der spricht und einlädt und einem, der hört und antwortet.

Berufung ist immer ein Dialog zwischen Gott und Mensch. Gott ruft und wir antworten (oder auch nicht) – mit unserem Leben. Und wenn wir antworten, dann hört Gott unsere gelebte Antwort und antwortet selber. Berufung ist immer ein Dialog, der hin und her geht zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde.

Und meistens antwortet Gott nicht, indem er uns vom Pferd fallen lässt, sondern viel leiser, in der Stimme in unserem Inneren, im Anruf des Nächsten, im tiefen Ahnen ‚ich bin auf einem guten Weg‘, einem Weg, der mich lebendig werden lässt, der mich und andere zum Leben führt.

 

Text: Br. Martin Lütticke OFM, Wiedenbrück
Die Zeichnung fertigte Br. Peter Fobes OFM nach der Skulptur "Der Hörende" des Bildhauers Toni Zenz an.

Ein wunderbares Geschenk

Wunderbar!

Es ist im Sommer 1212: Klara, Agnes, Pacifica, Balvina, Benvenuta und Filippa suchen in der Konkretheit des Alltags Gemeinschaft mit ihrer Schwester Armut, Schritt für Schritt. Sie haben nichts, und haben doch alles. Ein Bruder erbettelt für sie, was sie brauchen. Und die Schwestern beginnen den Raum des Geheimnisses zu bewohnen. Dabei zählen nicht die großen Entwürfe, sondern die kleinen Schritte. 

Was brauchen wir wirklich zum Leben? – etwas zu essen, zu trinken, einen Ort zum Schlafen, Gemeinschaft. Diese sechs Frauen des Anfangs machen sich um das Wenige, das sie brauchen, keine Sorgen. Sie vertrauen auf den, der sie ruft. Es passiert, dass sie kein Öl mehr haben, und Öl ist wohl nicht unbedingt lebensnotwendig, auch in Italien nicht. Oder doch? Öl ist mehr als nur Nahrungsmittel: Es nährt auch die Flamme vor dem Bild des Gekreuzigten. 

Klara wäscht den Ölkrug aus und stellt das Gefäß bereit, damit der Bruder, der für sie in der Stadt bettelt, ihn gleich nehmen kann. Schwester Pacifica betont, dass der Krug nur ganz kurze Zeit dort gestanden hat, bis Bruder Bentevengha ihn holen kommt. Sie hat selbst gesehen, wie Klara den leeren Krug raus und den vollen wieder rein bringt. Und niemand – auch nicht der Bruder – weiß, woher das Öl kommt. Bruder Bentevengha hat vermutlich bei den Brüdern seinem Frust Luft gemacht, umsonst gelaufen zu sein; denn Celano weiß dessen Bemerkung zu ergänzen: „Diese Frauen halten mich zum besten, denn siehe, das Gefäß steht ganz gefüllt da!“ 

Ein Wunder – weder erbeten noch erhofft noch notwendig. Einfach ein wunderbares Geschenk! Biblisch verstanden ist ein Wunder ein Zeichen für Gottes Wirken und lebendige Nähe. Das Wunder vom Ölkrug scheint eine liebenswürdige Geste Gottes an Klara und die junge Gemeinschaft zu sein: Gott ist lebendig da in ihrem Leben und sorgt für sie leiblich und geistlich. Leiblich: Öl ist ein Geschenk, das das Leben nährt. Geistlich: Er schenkt ihnen Öl, damit die Flamme vor Seinem Bild nicht verlöscht. Das ist die Berufung der Schwestern: vor Ihm zu brennen. 

Wenn Gott uns ruft, gibt er verschwenderisch dazu, was wir brauchen, um diesem Ruf zu folgen, ohne dass wir Ihn überhaupt darum bitten. Das gilt auch uns heute. 

Schaut man die Kapitelüberschriften von Celanos Klarabiographie an, kommt man aus dem Staunen nicht heraus: alles ist „wunderbar“: Da ist das Wunder der Brotvermehrung, die wunderbare Vertreibung der Sarazenen, das Wunder von der Befreiung der Stadt, das Gebetswunder zur Hilfe ihrer Schwester, ein Wunder von der Vertreibung böser Geister, Klaras wunderbare Verehrung des Altarssakramentes und eine wunderbare Tröstung durch Gott. Klaras Leben quillt über von Wundern. Und Schwester Pacifica scheint mit Recht zu sagen, Klaras Leben sei voller Wunder gewesen.  

Ja, jeder Augenblick im Leben Klaras spricht von der lebendigen Nähe des armen Gekreuzigten, aus dessen Liebe sie lebt. Und das ist doch die biblische Definition von Wunder: Zeichen von Gottes Wirken und Nähe. 

Auch unser Leben kann überquellen von Wundern da, wo wir aus Seiner lebendigen Nähe leben und Ihn in unserem Leben wirken lassen. Wir sind von Wundern umgeben und durchdrungen, von liebenswürdigen Gesten Gottes. Lernen wir zu danken und zu staunen über die Wunder, die Gott in und durch uns und die anderen wirkt. 

Sr. Ancilla Röttger


Komm, Herr Jesus, sei unser Gast ...

Ein altes Gästebuch in unserem Kloster, darin viele handgemalte religiöse Bilder – eine echte Rarität heutzutage.  Unser Bild zeigt Jesus, wie er Brot und Wein hochhält.

„Komm, Herr Jesus, sei unser Gast,
und segne, was Du uns bescheret hast.“ 
    – ein altes Tischgebet. 

Jesus als Gast an unseren Tisch einladen,
Jesus als Gast in unser Leben einladen:
das wäre es ... Das ist es:
Jesus als Gast in unser Leben einladen,
damit er alles mit uns teilt. 

Ein altes Gästebuch in unserem Kloster,
darin viele handgemalte religiöse Bilder
– eine echte Rarität heutzutage.
Unser Bild zeigt Jesus, wie er
Brot und Wein hochhält.
Unser handgemaltes Bild
zeigt Jesus im Sakrament der Eucharistie.

Die anderen sechs Sakramente
(Taufe, Firmung, Beichte, Krankensalbung,
Priesterweihe und Ehe)
darüber auf einem Regenbogen.

Juni –  der Monat der großen kirchlichen Feste:
So das Fronleichnamsfest,
wo uns die Eucharistie
auf besondere Weise vor Augen geführt wird. 

„Komm, Herr Jesus, sei unser Gast ...“
– Jesus Christus durch die Sakramente einladen,
unser Leben zu teilen,
unser Leben zu erhöhen,
unser Leben wertvoller werden zu lassen.

 

Foto: Gästebuch Franziskanerkloster Vierzehnheiligen
Text: P. Christoph Kreitmeir OFM


Unterwegssein zum Ort der Gande

Deckenfresko in der Wallfahrtsbailika Vierzehnheiligen
Deckenfresko in der Wallfahrtsbailika Vierzehnheiligen, zum Vergrößern klicken

Unser Leben ist Unterwegssein.
Es lädt uns ein, aufzubrechen.
Wir sind Pilger, Fremdlinge, 
unterwegs zum Ziel,
zu Gott, zum Himmel. 

Menschen brechen zur Wallfahrt auf,
dem Himmel entgegen.

Der Himmel ist Ziel unseres Lebensweges;
doch auch schon hier und heute
schenkt Gott uns ein Stück vom Himmel
dort, wo Himmel und Erde sich berühren

Mittler zwischen Himmel und Erde
sind uns die Nothelfer in Vierzehnheiligen,
„die verlängerten Arme dessen,
der das Heil der Welt ist“.

Ob Sie nach Vierzehnheiligen pilgern,
ob Sie sich wieder auf den Heimweg machen:
Sie gehen dem Himmel entgegen,
dem Ort der Gnade.

Den Ort der Gnade finden Sie
am Ziel der Wallfahrt,
aber auch dort, wo jeder lebt.
Ort der Gnade: das ist der Himmel.

Foto: Deckenfresko in der Wallfahrtsbailika
Vierzehnheiligen, Bild von Hertwig Hertel
Text: P. Heribert Arens OFM


Trotzdem

Ölbild von Mutter Teresa. Gemalt von einem Obdachlosen für das "Haus Betlehem" der Schwestern von Mutter Teresa in Hamburg
(c) Martin-loewenstein Ölbild von Zaba

Manche Leute sind unvernünftig, unlogisch und egozentrisch; vergib ihnen trotzdem.

Wenn du freundlich bist, werden Leute dir selbstsüchtige und versteckte Motive vorwerfen; sei trotzdem freundlich.

Wenn du erfolgreich bist, wirst du einige falsche Freunde und einige wahre Feinde gewinnen; sei trotzdem erfolgreich.

Wenn du offen und ehrlich bist, wird es wahrscheinlich Leute geben, die dich betrügen; sei trotzdem offen und ehrlich.

Wenn du froh und heiter bist, wird es wahrscheinlich Leute geben, die neidisch und eifersüchtig sind; sei trotzdem fröhlich.

Was du in Jahren aufbaust, könnte jemand in einer Nacht zerstören; baue trotzdem.

Das was du heute Gutes tust, mögen die Leute morgen schon wieder vergessen haben; tue trotzdem Gutes.

Gib der Welt das Beste, was du hast - und wenn es auch nie genug ist; gib der Welt trotzdem das Beste, was du hast.

 

Nach einem Text an der Wand eines der Kinderheime von Mutter Theresa, Kalkutta


Macht

Gliederpuppen, sich umarmend.
Foto: J. Henkel Hamburg / pixelio.de

Ist Macht wirklich nur etwas, wonach andere gieren? Politiker und Wirtschaftsbosse? Nicht wenige denken so. Ich möchte nicht urteilen. Es jedem zu unterstellen, ist unfair. Und sich selbst davon freizusprechen nicht gerade ehrlich. Irgendwie will doch jeder etwas zu sagen haben. Vorne dran stehen. Den Ton angeben.

Macht – das Wort hat keinen guten Klang. Macht schafft Ohnmacht. Und Herrschaft lebt von Unterdrückung. Das gilt auch für die feineren Methoden: mit den Augen, der kalten Schulter, der leiser werdenden Stimme.

Offensichtlich ist Macht aber nicht das letzte Wort. Das tausendjährige Reich hat nicht ewig gedauert – Gott sei Dank. Diktaturen geraten ins Wanken. Manche Mächtigen haben ungewollt den Hut nehmen müssen, oder sind feige geflohen. Macht macht einsam; den, der sie hat, und noch mehr den, der sie verloren hat.

Es gibt auch eine andere Macht. Die Macht der Ohnmächtigen. Wenn das Maß mehr als voll ist. Wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Wenn Menschen selbst ihr Leben aufs Spiel setzen für sich und andere. Das ist die Macht der größten Minderheit dieser Welt. Die Macht der Ohnmächtigen. Der Aufstand der Armen. Die Geschichte der Menschheit kennt viele solcher Aufstände. Sie kennt deren Erfolge und kennt ihre Niederlagen. 

Trotz aller Kultur, Zivilisation und Religion hat der Mensch den Wolf in sich, der ihn schnell auch zum Wolf für die anderen macht. Allmachts- und Gewaltphantasien gibt es in vielen Variationen. Darum bleibt auch der Kampf zwischen Macht und Macht: der Macht der Mächtigen und der Macht der Ohnmächtigen. Es bleibt der Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit, um Menschenrecht und Menschenwürde. 

Als Jesus seine Jünger einmal bei solchen Machtphantasien erwischte, bleibt er erstaunlich gelassen. ‚Bei euch soll es nicht so sein’, sagt er denen, die ihn für ihre eigenen Zwecke benutzen wollten: ‚Ihr wisst, sagte er, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht missbrauchen. wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein (Mk 10,42f).

Groß sein wollen heißt dienen. An diese Logik muss man sich erst gewöhnen. Sie hat nie nur Nachfolger gefunden. Aber recht betrachtet, würde sie die auf dem Kopf stehende Welt wieder auf die Füße stellen. 

 

von P. Hadrian W. Koch OFM


Gliederpuppen, sich umarmend.
Foto: S.Hofschlaeger/pixelio.de

Immer unterwegs nach Hause

Pilger sind wir und Fremdlinge

auf unserm Weg durch diese Welt,

wir sehnen uns nach Haus,

solange wir hier sind.

 

Zu Hause sind wir Menschen dort,

wo wir geliebt, verstanden sind,

uns angenommen fühln

so wie wir sind.

 

Verstehen kannst nur DU uns ganz,

Liebe, DIE uns erschaffen hat

und DIE und Leben und Heil

in Fülle wünscht.

 

Wenn DU uns in die Arme nimmst,

uns Mut zusprichst

- wie gute Eltern ihrem Kind - ,

können wir überall zu Hause sein.

von Br. Thomas Maria Folger OFM

 

Aus der Bullierten Regel, des hl. Franziskus von 1223, nach der die Franziskaner weltweit noch heute leben:

„Die Brüder sollen sich nichts aneignen, weder Haus noch Ort noch irgendeine Sache. Wie Pilger und Fremdlinge in dieser Welt sollen sie dem Herrn in Armut und Demut dienen.“ (Kap. VI)


Jahreslosung 2012*:

Boxhandschuhe
Foto: Foto: S.Hofschlaeger/pixelio.de

„Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Aus dem Zusammenhang gerissen, ist dieser Vers aus dem Korintherbrief missverständlich: Es geht hier nicht um die Armen, Schwachen und an den Rand der Gesellschaft gedrängten - sondern um mich und meine Schwachheit. Paulus  beschreibt in dem Abschnitt vorher, dass es sinnlos sei, den starken Mann zu mimen und mit seinen Verdiensten zu prahlen. Man soll ihn vielmehr nach dem beurteilen, was man direkt sehe und höre: Und das sei nun mal Schwäche. Es geht hier also um mich Schwachen. Es geht kurz und knapp darum, dass wir schwachen Christinnen und Christen nur dann kräftig sind, wenn wir nicht den starken Mann oder die starke Frau geben. In der Übersetzung der Basisbibel wird diese Intention etwas deutlicher: „Der Herr hat zu mir gesagt: Meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung“.

Und wie Recht Paulus hat, sehen wir in vielen guten Vorbildern: 
Nehmen wir Franziskus, der einen Orden gegründet hat, deren Mitglieder sich noch heute Minderbrüder nennen. Nehmen wir Bruder Roger, der seine Kommunität in Taize in Bescheidenheit gegründet hat und der bis zuletzt weder Macht, noch Stärke – aber Kraft ausstrahlt. Oder nehmen wir Dietrich Bonhoeffer, der aus dem Gefängnis Tegel beschreibt wie kraftvoll ihn die Menschendort trotz Unterdrückung und Folter erleben. Nehmen wir Mutter Theresa in ihrer Solidarität und Sanftheit, nehmen wir Albert Schweizer und so viele mehr, die wie Paulus durchaus Grund gehabt hätten, anzugeben und zu prahlen, es aber nie getan haben.

Und wie Recht Paulus hat, sehen wir auch in vielen schlechten Vorbildern: Wir wissen alle, wie Kirche wirkt, wenn sie Stärke zeigt und ihre Macht durchsetzt. 

* Losungen

Ununterbrochen seit 1731 gibt die Herrnhuter Brüdergemeine, eine evangelische Freikirche, die Losungen heraus. Hierbei handelt es sich um Bibelzitate, die für jeden einzelnen Tag des Jahres sowie die Monate und das ganze Jahr ausgelost und den Menschen als geistlichen Impuls mit auf den Weg durch den Tag gegeben werden. Neben dem gedruckten Losungsbuch, das in mehreren Sprachen erscheint, gibt es heute auch die Möglichkeit, die Losungen per Email oder SMS täglich zu erhalten. Wir erinnern in diesem Monat an diese schöne und alte evangelische Tradition in ökumenischer Verbundenheit.

Informationen zu den Losungen: http://www.losungen.de/

Informationen zur Herrnhuter Brüdergemeine: http://www.ebu.de

Text: Thomas M. Schimmel


Eine geschenkte Zeit

Blick auf Assisi
Adventliche Fasadendeko in München, Bild von Michael Blasek

Früher, als Kind, erwartete ich voller Ungeduld den Heiligen Abend. Die Wochen vor Weihnachten waren angefüllt mit Vorfreude und besonderen Tätigkeiten. 

In der Welt der Erwachsenen jedoch sind die Tage im Advent oft noch vollgestopfter mit Arbeit und Terminen als die übrige Zeit des Jahres. Zu vieles scheint unbedingt noch vor Jahresende über die Bühne gehen zu müssen.  

Heute beschließe ich, der üblichen vorweihnachtlichen Hektik den Rücken zu kehren und mich im Advent auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren. 

Ich nutze die Zeit als eine bewusste Phase der Entschleunigung und gestalte meinen Advent ganz im christlichen Sinne als Sabbatzeit, als innere Vorbereitung auf Weihnachten. 

  • Ich höre auf meine innere Stimme, prüfe selbst, was mir guttut …
  • Ich fasse keine großen Vorsätze, achte aber darauf, weniger Termine in die Adventszeit zu legen …
  • Ich suche mir jeden Tag bewusst Momente, die ein Licht für mich aufblitzen lassen, Zeichen der Hoffnung sind … 
  • Ich versuche hin und wieder mit den Augen eines Kindes zu sehen auf das, was um mich herum passiert …
  • Ich lasse Zeit für Begegnungen … 

 

Text von André Madaus aus Zeitschrift Franziskaner 1/2009


Hoffnung haben

Blick auf Assisi
(c) Gerd Altmann / pixelio.de

Hoffnung zu haben 
ist zu glauben, dass die Geschichte offen bleibt
für den Traum Gottes und die Kreativität der Menschheit

Hoffnung zu haben 
ist immer wieder zu bestätigen,
dass es möglich ist von einer anderen Welt zu träumen,
ohne Hunger, ohne Ungerechtigkeiten
ohne Diskriminierung.

Hoffnung zu haben
heißt Bote Gottes zu sein
und Bote der Männer und Frauen guten Willens,
die Mauern niederreißen und Grenzen zerstören, 
indem sie Brücken bauen.

Hoffnung zu haben
ist zu glauben an das revolutionäre Potenzial des Glaubens
Türen offen zu lassen,
damit der Geist eintreten und alles neu machen kann.

Hoffnung zu haben
ist, immer wieder neu anzufangen so oft es notwendig ist.

Hoffnung zu haben
ist zu glauben, dass die Hoffnung nicht
die letzte Sache ist, die stirbt.

Hoffnung zu haben
ist zu glauben, dass die Hoffnung nicht sterben kann
dass die Hoffnung niemals stirbt.

Hoffnung zu haben
heißt zu leben.

(Missionsschwestern vom Heiligen Karl Borromäus, Scalabrini, Honduras)

 


Geist von Assisi

Blick auf Assisi

Gebet zum 25. Jahrestag des Friedensgebetes der Religionen

Am 27. Oktober 1986 betete Papst Johannes Paul II. mit Repräsentanten aller großer Religionen und Kirchen in Assisi für den Frieden. Für den 27. Oktober 2011 hat Papst Benedikt XVI. erneut zu einem Friedensgebet nach Assisi eingeladen, um den "Geist von Assisi“ zu erneuern.

Gebet in alle Himmelsrichtungen

Gebet in Richtung Osten. Schöpfer wir bringen Dir dieses Gebet dar, um Dir für den neuen Tag und für den Aufgang des Lichtes zu danken. Wir danken Dir für die Menschen des Ostens, ihr Leben und ihre geistlichen Wege, die uns zu leben lehren. Mögen wir immer die Herausforderung eines Neubeginns willkommen heißen und im Licht des neuen Tages Freude finden. Mögen auf neue Weisen denken, neue Wege finden uns selbst und gegenseitig zu heilen und für den Anbruch des neuen Tages zu danken. 

Gebet in Richtung Norden. Schöpfer, wir danken dir für die Anstrengungen und die Ausdauer in winterlichen Tagen. Wir danken Dir für die Menschen des Nordens, ihr Leben und ihre geistlichen Wege, die uns zu leben lehren. Mögen wir immer die Herausforderungen von schwierigen und erniedrigenden Zeiten willkommen heißen. Mögen wir Stärke und Sinn in Dir und im Anderen finden und Wege um uns gegenseitig zu unterstützen und aufzumuntern, wenn wir uns verloren glauben.

Gebet in Richtung Süden. Schöpfer, wir danken dir für das neue Wachstum, das im Frühling kommt. Wir danken Dir für die Menschen des Südens, ihr Leben und ihre geistlichen Wege, die uns zu leben lehren. Mögen wir neue Stärke und Nahrung in der unerwarteten Fülle des Lebens finden. Mögen wir diese gaben mit Respekt, Dank und Demut annehmen. Mögen wir Wege finden neue Einsichten zu fördern, neue Führungsstiele zu unterstützen und für jeden Menschen zu danken, der Christus folgt.

Gebet in Richtung Westen. Schöpfer, wir danken dir für das Ende eines jeden Tages und für die Erfüllung unserer Lebensaufgabe. Wir danken Dir für die Menschen des Westens, ihr Leben und ihre geistlichen Wege, die uns zu leben lehren. Mögen wir niemals vor dem Ende, das uns am Ende eines Tages und am Ende einer jeden Jahreszeit erwartet, Angst haben. Mögen wir in der Dunkelheit den Mut finden, nach dem Sonnenaufgang Ausschau zu halten - immer wartend, erwartend und auf die Fülle des Herzens und des Geistes hoffend. 

Gebet zur Erde. Schöpfer, wir bringen diesen Dank dar für Mutter Erde, die uns durch alle Dinge ernährt - für die Gabe der Geschöpfe, die sich bewegen, für die Dinge, die wachsen und uns ernähren und für die Elemente, die das Leben ermöglichen - Licht, Luft, Feuer und Wasser. Mögen wir dankbar sein, dass sie uns genug gibt für ein Leben in Ehren, Respekt, Würde und Demut. Wir können das nicht erschaffen, was du uns in jedem Jahr in Fülle schenkst. Mögen wir lernen zu heilen und deine Gaben zu bewahren. Möge unser Herz dankbar singen, dass wir in jeder Generation in dir ein Hause finden. 

Gebet zum Himmel. Schöpfer, wir bringen diesen Dank dar, so dass wir Freude finden für unsere Seelen, wenn wir unter den Sternen tanzen und Deine Liebe, Fürsorge und Dein Mitleiden erfahren. Wir bitten Dich unsere Gebete für die Schöpfung vom Osten bis zum Westen, vom Norden zum Süden von den Tiefen bis zu den Höhen entgegen zu nehmen. Mögen wir im Zentrum des Lebens die Stärke wieder finden um untereinander und mit der Schöpfung eins zu sein. Mögen wir einen gemeinsamen Weg zu Deinem Zuhause gehen - an jeden Tag, in jedem Jahr und in jeder Generation.

  • Schöpfer, vom Osten zum Westen, gib uns Frieden.
  • Schöpfer, vom Norden zum Süden, gib uns Frieden. 
  • Schöpfer, von den Höhen bis in die Tiefen, gib uns Frieden. 
  • Schöpfer, von der Geburt bis zum Tod, gib uns Frieden. Schöpfer, von der Trennung bis zur Versöhnung, gib uns Frieden. 
  • Schöpfer, vom Zweifel bis zur Hoffnung, gib uns Frieden. 
  • Schöpfer, von der Entfremdung bis zur Einigung, gib uns Frieden. 

Schöpfer, durch das Opfer Deines Sohnes und die Gnade des Heiligen Geistes, gib uns Frieden - jetzt, und immer bis in Ewigkeit. Amen.

(Quelle: Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung des Franziskaneorodens - www.ofm.org)


Militärausgaben

Im Jahr 2009 stiegen die globalen Militärausgaben auf 1536 Milliarden US Dollar. Dieser enorme Betrag ist die Spitze eines seit zehn Jahren kontinuierlich angestiegenen Militärhaushaltes in den Ländern dieser Welt: zwischen 2000 und 2009 stiegen die Militärausgaben um 49%. Im Jahr 2010 erhöhte sich der Betrag auf 1630 Milliarden US Dollar. 30 Milliarden US Dollar würden ausreichen, um den Hunger in der Welt zu beseitigen. Dieser Betrag entspricht den Militärausgaben einer einzigen Woche. Und doch gibt die Welt diese Unsumme an Geld aus, um Menschen zu töten, zu verstümmeln und zu vernichten. All dies geschieht mit der Begründung, dass diese Menschen die Feinde sind, die es auszuschalten gilt.

Vater unser im Himmel

Das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat, ist ein Gebet um Frieden. Das Gebet lehrt uns, wie wir auf unsere ureigenste Weise in die Gegenwart Gottes gelangen und auf andere Menschen zugehen können. Es geht darum, dass wir unser Herz, unseren Geist und unsere Seele für Gott öffnen. Denn Gott will in jeder und jedem von uns gegenwärtig sein. 

Vater unser, der Du bist im Himmel

Gott, mütterlicher und väterlicher Schöpfer, die ganze Schöpfung lobt Dich. Der blaue Himmel lobt Dich. Die Hügel in der Ferne preisen Dich zusammen mit der wohlriechenden Luft, die voller Licht und Glanz ist. Auch ich danke Dir, mütterlicher und väterlicher Schöpfer, mit allen Brüdern und Schwestern. Wir sind alle eins und finden zueinander in der einen großen Stille, in der Vielfalt der Stimmen. Du hast uns zusammen gebracht, Du hast uns zur Einheit in der Vielfalt geführt. Du hast mich hier in die Mitte als Zeuge gestellt, als lebendiges Bewusstsein, und als ein Ausdruck von Freude und Frieden. Hier bin ich.

Vater unser im Himmel

 

Text vom franziskanischen JPIC Office in Rom
Bild von Jürgen Neitzert auf der ITEC Waffenmesse in Frankfurt 2011


Psalm 91

Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, 
der sagt zum Herrn: «Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.» 

Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.

Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.

Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt,

nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag.

Fallen auch tausend zu deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es doch dich nicht treffen. 

Ja, du wirst es sehen mit eigenen Augen, wirst zuschauen, wie den Frevlern vergolten wird.

Denn der Herr ist deine Zuflucht, du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt.

Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinem Zelt.

Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. 

Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; 
du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen. 

 

Die Bibel, Einheitsübersetzung
Foto: www.pixelio.de/knipseline


Wenn die Ampel auf Gelb springt

Wenn die Ampel auf Gelb springt, dann bin ich oft in Verlegenheit. Manchmal trete ich heftig auf die Bremse, um rechtzeitig anzuhalten, manchmal trete ich aufs Gaspedal, um noch schnell über die Kreuzung zu kommen. Gelb ist die kürzeste Phase der Ampel, es ist nicht mehr als der Wechsel zwischen Grün und Rot, zwischen Bewegung und Halt, es ist nur ein „Dazwischen“. Und doch: gerade das Dazwischen ist die Zeit der Entscheidung. Nicht umsonst lässt das Gelb meinen Adrenalinspiegel steigen und bringt mich mitunter mächtig unter Druck. Aber wahr ist auch dies: Gelb erhöht meine Achtsamkeit und konzentriert mich auf Wesentliches. Ich muss präsent sein, mit allen Sinnen.

Ich finde, die Ampel ist ein gutes Symbol für den Monat Juli – die Mitte des Jahres.

Text: Br. Helmut Schlegel OFM, WmF 2/2008
Foto: Andreas Morlok / pixelio.de

http://www.pixelio.de/media/342418#


Nahe Verwandte

Immer wieder treffe ich auf nahe Verwandte - in der Bibel. Das wundert mich, ist doch der zeitliche Abstand zwischen damals und heute groß. Da begegne ich zum Beispiel den Schriftgelehrten und Pharisäern. Eigentlich ganz ordentliche Leute: die einen studiert, die anderen fromm. Als nahe Verwandte kann man sich keine besseren wünschen.

Warum hat Jesus sie nur auf dem Kieker? Sie reden gern, tun aber nichts (vgl. Mt 23,3), sagt er seinen Jüngern und den Leuten, die ihm zuhören. Das ist deutlich. Seligpreisungen hat er für die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht, wohl aber Weherufe.

Sind das die Folgen von Studium und Frömmigkeit? Nicht unbedingt, aber gefährlich scheint beides zu sein. Viel Wissen kann überheblich und eitel machen. Wer viel weiß und immer davon redet, meint vielleicht irgendwann selbst, dass Reden genügt. Dass die eigenen Gedanken die einzig richtigen seien, liegt dann schon fast auf der Hand. Und wie ist das mit den Frommen? Fromm ist, wer aus seinem Glauben heraus lebenstüchtig ist. Wer aber mit seiner Frömmigkeit angibt, sie ‚heraushängt’, wie wir sagen, erweckt meist keine Sympathien. Wer meint, Gott durch seine Rituale und Demonstrationen zu beeindrucken, kann schnell zwanghaft werden. Er neigt auch dazu, andere zu zwingen. Auch das ist wenig sympathisch.

Da sind sie also wieder, die nahen Verwandten, denen Jesus ‚wehe’ zuruft. In dieser Version möchte ich sie mir gerne vom Hals halten. Über sie habe ich schon oft recht abfällig gedacht und auch geredet.

Bin ich da bei Jesus nicht in guter Gesellschaft? Ich will mich nicht zu früh freuen. Denn das, was mir an ihnen besonders negativ auffällt, das blende ich bei mir selbst gerne aus. Sich dessen nicht bewusst zu werden, ist der schnellste Weg, auch wie ein Pharisäer oder ein Schriftgelehrter zu werden, von denen Jesus sagt: Sie reden gern, tun aber nichts! Das sitzt - auch bei mir.

‚Was sie euch sagen, das tut, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun’, sagt Jesus. Kann ich mich darauf einlassen? Eine Wahrheit wird nicht falsch, nur weil der, der sie sagt, sie selbst nicht befolgt. Und sie in den Wind zu schlagen, entschuldigt den nicht, der sie als richtig erkannt hat.

 

Von Br. Hadrian Koch, Großkrotzenburg

 


April

(c) Joujou / pixelio.de

Freiheit

Was ist Freiheit, wurde der Abiturient in seiner Philosophieprüfung gefragt. Die Antwort kam prompt: ‚Freiheit ist, wenn ich machen kann, was ich will’. Diese Definition wäre ihm sicher auch ohne das Studium der Philosophen möglich gewesen. Das schien auch sein Prüfer zu denken. Aber sind wir ehrlich: Machen können, was man will, das ist doch Freiheit? Das klingt plausibel, und das genügt.

Die Fastenzeit ist da – völlig unphilosophisch und nicht sofort plausibel – anderer Meinung: Freiheit ist, nicht zu tun, was man will. Da muss man etwas um die Ecke denken. Es geht wohl mehr um bewusstes Entscheiden als um beliebiges Wählen. Freiheit ist, nicht zu tun, was man will. Mehr Freiheit durch Einschränkung und Verzicht?

Ansprüche, Wünsche und Begierden können sehr fordernd sein. Vom ‚Diktat des Habenwollens’ sprechen manche. Ihm sei nur schwer zu widerstehen. Auch deshalb ist die Fastenzeit für viele eine Chance, wieder Herr im eigenen Haus zu werden. Wenn man dem ‚Habenwollen’ schon nicht ganz entkommt, dann möchte man es doch wenigstens unter Kontrolle bringen. Dabei macht der bewusste Verzicht auf Dinge, nach denen oft so selbstverständlich gegriffen wird, die Abhängigkeit von ihnen ja erst so richtig deutlich. Es geht nicht nur um Alkohol, Zigaretten und Schokolade.

Man gönnt sich ja sonst nichts; wer kennt nicht diese sich selbst entschuldigende Floskel? Abhängigkeiten wieder unter Kontrolle zu bringen ist die eine Seite des Fastens. ‚Sieben Wochen ohne’ – ist ein solcher Versuch.

Die andere Seite ist sozialer Natur: denen etwas zu gönnen, die sich sonst wenig oder gar nichts gönnen können. Es sind viele. ‚Weniger ist leer’, steht auf einem Plakat der Aktion Brot für die Welt. Es zeigt einen großen Teller mit einem kleinen Häufchen Reis.

Freiheit ist, nicht zu tun, was man will. Sich zum Beispiel nicht vorbei zu mogeln an der vielfältigen Armut. Es gibt sie bei uns, und vor allem auf der südlichen Halbkugel. Sich nicht über die Zusammenhänge täuschen, die zwischen unserem Wohlstand und der Armut anderer besteht. Was uns oft wenig kostet, kostet andere viel. Sich nicht auszuklinken aus den Aktionen gegen den Hunger in der Welt. Misereor, die Fastenaktion der deutschen Katholiken, steht dieses Jahr unter dem Motto: ‚Menschenwürdig leben - überall’. Das ist heute auch mein besonderer Wunsch für die Menschen in Japan.

Von Br. Hadrian Koch, Großkrotzenburg

 


März

(c) Claudia Hautumm / pixelio.de

Fasten

 

Die Fastenzeit hat begonnen. Der Christ ist in diesen sechs Wochen bis Ostern eingeladen zu fasten. Er soll den Gürtel enger schnallen, weniger essen und auf manches verzichten, was normalerweise wie selbstverständlich zum Leben gehört. So paradox das klingen mag: Fasten hat mit genießen zu tun. Was ich das ganze Jahr über in mich hineinstopfe, das kann ich kaum noch genießen. So werden die Gaben aus Gottes guter Schöpfung zum Alltag, zur Gewöhnung, zur Selbstverständlichkeit. Wer weiß ein Glas Wasser noch zu schätzen? Wer weiß ein Stück Brot noch zu genießen? Vielen ist es alltäglich, obwohl es doch so kostbar ist.

Meist lerne ich den Wert von Selbstverständlichem erst wieder schätzen, wenn ich es vermisse. Meine Gesundheit ist so selbstverständlich. Erst wenn sie verloren geht und ich krank werde, wird mir bewusst, wie wertvoll sie ist. Der Mensch an meiner Seite ist mir so selbstverständlich. Wenn ich ihn verliere oder wenn sein Leben durch Krankheit bedroht ist, bemerke ich oft erst wieder, wie wertvoll er mir ist. Alles im Leben verliert an Wertschätzung, wenn es zur Selbstverständlichkeit wird.

Es ist gut, wenn ich mich satt essen kann. Aber wer immer nur satt ist, der hat es bald satt. Wer den Hunger nicht kennt, weiß das Brot nicht zu schätzen. Wie schnell gewöhne ich mich an das Schöne. Ich empfinde es nicht mehr als Geschenk. Ich glaube sogar, einen Anspruch darauf zu haben.

Da sehe ich einen Ansatzpunkt für das Fasten. Ich verzichte bewusst für einige Tage oder Wochen auf Dinge, die normalerweise dazugehören. Beispielsweise esse ich weniger. Und dieses Weniger lasse ich mir auf der Zunge zergehen. Genießer essen mit dem kleinen Löffel. Das Weniger ist da nicht ein Zeichen der Verachtung; es ist Ausdruck der Wertschätzung. Das Weniger soll nicht der Abtötung dienen, sondern dem Genießen. Wir Menschen verderben uns manches, weil wir kein Ende finden. Irgendwo habe ich gelesen, dass der Mensch das einzige Wesen ist, das zur Orgie fähig ist. Das Wesen der Orgie ist ihre Maßlosigkeit. So scheinen wir Menschen veranlagt zu sein.

Der bewusste Verzicht im Fasten hilft mir zu einer neuen Wertschätzung der Gaben des Schöpfers, zu einer neuen Ehrfurcht vor ihm. Ich möchte genießen, was er mir schenkt. Das ist aber noch nicht alles! Wenn ich faste und verzichte, übe ich mich in eine Lebenshaltung ein, die sagt: Du brauchst nicht alles, was du hast. Die Welt geht nicht unter, wenn du auf dieses und jenes verzichtest. Du lebst weiter. Und vielleicht gibt dein Fasten dir die Möglichkeit, nachdenklich zu werden: Was trägt mich denn wirklich im Leben? Was brauche ich, um leben zu können.

Durch solches Nachdenken merke ich vielleicht, dass Menschen an meiner Seite wichtiger sind als Geld in meinem Portemonnaie, dass ein Nachdenken über den Sinn des Lebens wichtiger ist als ein „Dahindümpeln“ im alltäglichen Kleinkram,  dass „Zeit für Gott haben“ tragender ist, als – nichts dagegen! – Zeit für Bayern München oder Borussia Dortmund. Nein, ich brauche nicht alles, was ich haben kann. Es tut gut, nachzusinnen, was mein Leben wirklich trägt.

In den meisten Fällen ist Fasten kaum ein größeres Opfer. Aber manchmal fällt es schon auch schwer. Da kann die Fastenzeit eine wertvolle Zeit der Einübung sein: Ich übe ein, wie es ist, wenn ich Schweres zu bestehen habe. Das kennen viele gar nicht mehr, obwohl Schweres doch auch Teil des Lebens ist. Weil Menschen nicht eingeübt sind in das Ertragen von Schwerem, zerbricht so manches, wenn es in Stunden der Erprobung kommt. Schweres einüben ist Schule für gelingendes Leben!

Ja, so eine Fastenzeit hat was! Wer in dieser Zeit unter der Last des Fastens nur stöhnt und ächzt, sollte es lieber lassen. Wer dagegen das Fasten als Lebensschule nutzt, als Einübung ins Genießen, als Besinnung auf das, was trägt, als Einübung, auch Schweres tragen zu können, dem kann diese Zeit eine gesegnete Zeit werden.

 

Von Heribert Arens OFM, Guardian des Wallfahrtkloster Vierzehnheiligen


Februar

Franziskus bittet beim Papst um anerkennung seiner Regel

Bitten und geben

Lesen wir einen kurzen Abschnitt aus der nicht bullierten Regel (9, 10-12) des Franziskanerordens:

„Und vertrauensvoll soll einer dem anderen seine Not offenbaren, damit er ihm das Notwendige ausfindig mache und verschaffe. Und jeder liebe und ernähre seinen Bruder, wie eine Mutter ihren Sohn liebt und ernährt; dabei wird Gott ihm Gnade schenken.“

An den Beginn unseres Zusammenlebens stellt Franziskus das Bitten, nicht das Geben: damit will er sagen, dass wir zum Aufbau einer echten Gemeinschaft fähig sein müssen, die Hand auszustrecken, dass wir erkennen müssen, daß wir nicht alles allein machen können, sondern in uns verspüren, daß wir den Bruder und die Schwester an unserer Seite nötig haben. Ohne diese Demutshaltung (dass ich meine Abhängigkeit erkenne ­ die Hand ausstrecke, um Hilfe zu erbitten) ist eine echte Gemeinschaft nicht möglich.

An zweiter Stelle kommt das Geben, dass ich auf eine Bitte des Bruders/der Schwester eingehe, dass ich die Augen offen halte, und zwar nicht nur für meine Not, sondern auch für die des anderen. Zweierlei ist dabei hervorzuheben: ich muss all die Dinge hergeben, für die Gott mir Gnade schenken wird. Ich selbst verfüge ja über nichts: durch die Bruderschaft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich radikal arm bin (umso angebrachter ist es, dass ich mit dem Bitten beginnen muss!). So teile ich als Armer mit meinem Bruder das, was der Herr mir geschenkt hat (Dinge, Fähigkeiten, Zeit etc.).

Schließlich müssen wir auch den Vergleich mit der Mutter und die Nuancen der beiden benutzten Verben beachten: ernähren und lieben. Wir wissen, dass Franziskus nicht will, dass sich seine Brüder Väter nennen lassen: nur einer ist der Vater, und zwar der Vater im Himmel, und wir müssen uns darüber im klaren sein, dass kein Mensch an seine Stelle treten kann. Franziskus scheut sich aber nicht, seine Brüder zu bitten, einander Mütter zu sein. Und dieses "Mutter-sein" kommt in zwei Situationen zum Ausdruck: im Lieben und Ernähren. Wir müssen begreifen, dass der Bruder oder die Schwester nicht nur um ein Stück Brot oder um ein Kleidungstück bittet, sondern vor allem darum, angehört, aufgenommen und geliebt zu werden.

Text: Bruder. Giacomo Bini OFM,
Generalminister des Franziskanerordens von 1996 bis 2003

Informationen zur nicht bullierten Regel: Bitte hier klicken.

 


Januar 2011

Stern, dem die Weisen folgten

Anfang Januar sieht man überall noch die Sterne, die die Menschen zu Weihnachten aufgehängt haben: in den Fenstern, in den Häusern, am Christbaum und vor allem über der Krippe. Die alten Geschichten der Bibel erzählen uns, dass Menschen sich auf den Weg machten, weil sie einen Stern aufgehen sahen. Sie suchten den neugeborenen König.

Auch heute scheinen mir viele Menschen auf der Suche: auf der Suche nach einem guten Stern über Ihrem Leben und auf der Suche nach einem guten Stern über diesen Weihnachtsfesttagen.

Die Weisen oder Sterndeuter, wie die biblische Geschichte sie nennt, suchten zunächst an den falschen Orten: im Palast des Königs. Sie fanden den neugeborenen König schließlich ganz woanders: in einem armen Stall. Nicht im Kreis der Reichen und Mächtigen, sondern im Kreis von armen Handwerkern, Hirten vom Feld, armen Schluckern. Nicht in kostbare Gewänder gehüllt, sondern in Windeln gewickelt in einer Krippe.

Suchen wir vielleicht das Glück, unseren guten Stern auch an den falschen Stellen? Von den Weisen können wir - so scheint mir - zwei Dinge lernen, wie und wo wir suchen sollten:

Als die Weisen an der Krippe angekommen sind, da beugten sie die Knie vor dem neugeborenen Kind. Weihnachten finden wir nur, wenn wir uns klein machen. Und auch unser Glück finden wir nur, wenn wir bereit sind, uns klein zu machen. Wenn eine Mutter mit dem Kinderwagen vorbeikommt, muss ich mich beugen, um hineinzusehen in die lächelnden Augen des Kindes. Und wenn ich in den Kindergarten gehe, muss ich in die Hocke gehen, um den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und nicht von oben herab.

Nur wenn wir bereit sind uns klein zu machen, dann ist wahre Begegnung möglich. Nur wenn wir von unserem hohen Ross herabsteigen, wenn wir dem anderen wertschätzend und anerkennend, freundlich und offen begegnen, kann Beziehung entstehen. Und was ist im Leben wichtiger, als in Beziehung, in Freundschaft zu leben und Liebe zu schenken und zu erfahren?

Wir brauchen dabei gar keine Angst zu haben, wir könnten zu kurz kommen. Denn Gott selbst hat es uns doch vorgemacht. Wir machen nur nach, was er gemacht hat: er macht sich klein, wird ein Mensch wie wir und legt sich in unsere Arme und in unsere Hände. Das ist Weihnachten.

Und ein zweites können wir lernen von den drei Weisen: das Geheimnis des Schenkens und der leeren Hände. Die drei Weisen legen nämlich ihre kostbaren Gaben vor dem Kinde ab: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dass wir in diesen Tagen einander beschenken, hat vielleicht damit zu tun. Dann stehen die Weisen mit leeren Händen vor dem Jesuskind. Und nur mit diesen leeren Händen können sie es anfassen, berühren, in den Arm nehmen.

Mir sagt das: beim Schenken kommt es nicht darauf an, was ein Geschenk gekostet hat, welchen finanziellen Wert es hat. Es kommt auf die Intention dahinter an: auf die Liebe, mit der es gegeben wird, oder besser: auf die Liebe, für die es stellvertretend steht.

Gott macht es uns vor: an Weihnachten feiern wir ja gerade, dass er nicht irgendetwas schenkt, sondern dass er uns sich selbst schenkt, ganz und gar. Das ist das eigentliche Schenken. Wenn wir in ein Geschenk uns selbst legen, uns selbst schenken, dann kommt es nicht auf den „Preis" an, den ich im Geschäft dafür bezahlt habe. Dann ist die Stunde, die ich mir Zeit nehme für den anderen für einen Besuch oder ein Gespräch unendlich viel wertvoller als das teuerste gekaufte Geschenk.

Und wenn meine Hände dann leer sind, dann kann ich sie ausstrecken und den anderen in den Arm nehmen und ihm die Hand zur Freundschaft und zur Versöhnung reichen.

Bruder Franz-Leo Barden ofm


Dezember 2010

In der so genannten „Legendensammlung von Perugia“ berichten einige Gefährten des heiligen Franziskus über dessen Hinwendung zu den Tieren, besonders zu den „Schwestern“ Lerchen, und vor allem über seine Beziehung zum Weihnachtsfest. Und darüber, was beides miteinander zu tun hat:

Wir aber, die wir mit dem seligen Franziskus zusammen gewesen sind und die wir dies von ihm aufgeschrieben haben, bezeugen, dass wir ihn oftmals sagen hörten: „Wenn ich einmal mit dem Kaiser sprechen kann, werde ich ihn bitten, um Gottes Liebe willen und kraft meiner Bitte eine schriftliche Verordnung zu erlassen, dass niemand die Schwestern Lerchen fangen oder ihnen irgend etwas Böses tun dürfe. Ebenso, dass alle Bürgermeister der Städte sowie Burg- und Gutsherren verpflichtet seien, jedes Jahr am Fest der Geburt des Herrn die Leute zu bewegen, Weizen und anderes Korn auf die Wege außerhalb der Städte und Burgen zu streuen, damit vor allem die Schwestern Lerchen und andere Vögel an einem so hohen Festtag zu fressen haben. Und zum Zeichen der Ehrfurcht vor dem Sohn Gottes, dem seine Mutter, die selige Jungfrau, in einer solchen Nacht in eine Krippe zwischen Ochs und Esel legte, solle in ebendieser Nacht jedermann den Brüdern Ochsen und Eseln genug Futter geben; und ebenso sollen an Fest der Geburt des Herrn alle Arme von den Reichen gesättigt werden.“

Der selige Franziskus hatte nämlich größere Ehrfurcht vor dem Fest der Geburt des Herrn als vor irgend einem anderen Fest des Herrn. Denn der Herr mag auch in seinen anderen Festen unser Heil gewirkt haben, aber weil er nun einmal für uns geboren wurde – wie der selige Franziskus zu sagen pflegte –, musste er uns erlösen. Deshalb wollte er, dass an solch einem Tag ein jeder Christ im Herrn frohlocke und dass um der Liebe dessen willen, der sich uns selbst hingab, ein jeder Mensch nicht nur den Armen, sondern auch den Tieren und Vögeln gegenüber mit Heiterkeit freigebig sei.

 

Text: aus der Sammlung von Perugia, übersetzt und kommentiert von Bernhard Holter / Johannes Schneider,
aus: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskus-Quellen
© 2009 Edition Coelde in der Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, S. 1103,
www.bube.de

Bild: Die Sondermarke der Deutschen Bundespost anlässlich des Katholikentages 1982 zeigte Franziskus bei der Vogelpredigt.


November

Im Ersten Tessalonicherbrief schreibt der Apostel Paulus:

Schwestern und Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind, wenn der Herr kommt, werden den Verstorbenen nichts voraushaben. Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein. Tröstet also einander mit diesen Worten! (1 Thess 4,13-18)

Der Brief an die Christen zu Thessalonich ist der älteste uns erhaltene Brief des Apostels Paulus. Die Exegeten sagen, dass er im Jahr 50 oder 51 nach Christus geschrieben wurde. Der Apostel war zu dieser Zeit noch der Ansicht, dass Jesus als der erhöhte Herr bald wiederkommen und die Christen zu sich holen würde. Da jedoch nun Christen gestorben sind, ehe der Herr wiedergekommen ist, entstand die Frage, was mit den Verstorbenen sei, ob sie nicht an der Wiederkunft des Herrn teilhaben dürften.
Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben, schreibt der Apostel. Der Tod zerbricht endgültig alle irdischen Bande des Menschen. Es gibt kein Wort mehr, das der Verstorbene denen, die zurückbleiben, sagen kann. Alle Hoffnung, die menschliches Leben trägt, ist am Ende. Wir leben alle mehr, als wir wahrhaben wollen, von der Hoffnung. Beispiele: Ich weiß nicht, ob ich morgen noch lebe, aber ich hoffe es. Ich weiß nicht, ob ich morgen noch etwas zum Essen habe, doch ich hoffe es. Ich weiß nicht, ob ich morgen noch geliebt werde, doch ich hoffe es. Die Hoffnung ist ein wesentliches Element im menschlichen Leben.
Nun spricht der Text nicht von der irdischen Hoffnung, sondern von der, die das ewige Leben als Zukunft hat. Diese Hoffnung hat ihren Grund im Leben, Sterben und in der Auferstehung Jesu. Der Apostel schreibt: Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Jesus als der auferstandene Herr ist für die lebenden und verstorbenen Christen Grund ihrer Hoffnung. Wenn Jesus durch den Tod hindurch in das Leben eingegangen ist, hat er auch für die Menschen, um derentwillen er Mensch geworden und für die er gestorben ist, den Zugang zum ewigen Leben eröffnet. Für den Apostel Paulus ist dies eine Gewissheit, die er durch das Erlebnis und die Erfahrung vor Damaskus bekommen hat. Wir sind im Glauben auf sein Zeugnis und auf das der Apostel angewiesen, die den auferstandenen Herrn Jesus gesehen und mit ihm gegessen haben. An anderer Stelle schreibt der heilige Paulus: ob wir leben, oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Wenn dem Herrn der Tod nichts anhaben konnte, kann er auch denen nichts anhaben, die zum Herrn gehören. Darum kann der Apostel seinen Christen schreiben: „Tröstet einander mit diesen Worten.“


Text: Wendelin Reisch OFM, Essen
Bild: Alipictures/www.pixelio.de


Oktober

Enge Gasse in Assisi - wie zur Zeit Francescos im 12. Jahrhundert.
Eingangstür in der Einsiedelei Carceri in den Hügeln Assisis
Felsen auf dem Berg La Verna, einem beliebten Rückzugsort des Heiligen

Am 4. Oktober feiern die franziskanischen Orden das Fest des heiligen Franziskus. Seine Stadt Assisi wird wieder Ziel vieler Pilgerinnen und Pilger sein. Francesco, wie Franziskus in Italien genannt wird, und Stätten seines Wirkens sind auch das Thema des folgenden lyrischen Textes, den die Franziskanerin Schwester Anette Chmielorz aus Essen verfasst hat.

Francesco

Beinahe
hätte ich dich getroffen.
Der Wasserkran
an dem alten Brunnen
in dem engen Gässchen
in Assisi
tropfte noch.

Dann strömte
die Menge
der Schaulustigen vorbei,
versperrte mir die Sicht,
nahm mir die Ruhe.

Weit gelaufen
bin ich
zu den Carceri.
Und
so tief
musste ich steigen,
um zu dir zu gelangen.

Die Türen
waren so eng und niedrig.
Und
dunkel war es
und kühl.

Wirklich
gesucht
habe ich dich.
In der kalten Höhle
von La Verna
habe ich
dir nachgesonnen,
kleiner,
großer Bruder.

Und
plötzlich
wärmte mich
der Stein!



Text: aus dem Buch "Lebensberührungen - Ein lyrischer Dialog" von Sr. Magdalene Bauer und Sr. Anette Chmielorz, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2001

Bilder: Br. Markus Steinberger OFM, Mannheim.


September

Berufung

Vom Pferd gefallen bin ich nicht… (Paulus übrigens auch nicht),
aber dennoch… von Berufung reden möchte ich schon.

Der Monat September ist bei uns Franziskanern der Monat, in dem die Novizen zum ersten Mal ihre Profess ablegen, in dem die Postulanten in der Feier der Einkleidung in den Orden aufgenommen werden und neue Postulanten ihren Weg in unserer Gemeinschaft beginnen. Berufungswege…

Vom Pferd gefallen ist wohl keiner von ihnen,
aber dennoch… von Berufung reden möchte ich schon.

Mich begleiten seit Jahren ein Gedicht und ein Bild auf meinem Lebens- und Berufungsweg:

  • Seit meiner Feierlichen Profess das Gedicht ‚Ja oder Nein‘ von Paul Roth. Darin heißt es: Du kannst dir nicht ein Leben lang die Türen alle offen halten, um keine Chance zu verpassen. Auch wer durch keine Türe geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr die Türen eine nach der anderen zu. Wer selber leben will, der muss entscheiden: Ja oder Nein - im Großen und im Kleinen.
  • Und seit meiner Priesterweihe das Bild der Skulptur ‚Der Hörende‘ von Toni Zenz: Ein Mensch der im wahrsten Sinn des Wortes ‚ganz Ohr ist‘, der mit seiner ganzen Existenz ein Hörender ist.

Im Gedicht und im Bild wird deutlich, dass jeder Ruf eine Antwort braucht, ein Hinhören, ein Sich-Entscheiden, ein Losgehen.

Berufung ist immer ein Dialog zwischen einem, der ruft und einem der gerufen wird, zwischen einem, der wirbt und einem, der umworben wird, zwischen einem, der spricht und einlädt und einem, der hört und antwortet.

Berufung ist immer ein Dialog zwischen Gott und Mensch. Gott ruft und wir antworten (oder auch nicht) – mit unserem Leben. Und wenn wir antworten, dann hört Gott unsere gelebte Antwort und antwortet selber. Berufung ist immer ein Dialog, der hin und her geht zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde.

Und meistens antwortet Gott nicht, indem er uns vom Pferd fallen lässt, sondern viel leiser, in der Stimme in unserem Inneren, im Anruf des Nächsten, im tiefen Ahnen ‚ich bin auf einem guten Weg‘, einem Weg, der mich lebendig werden lässt, der mich und andere zum Leben führt.

 

Text: Br. Martin Lütticke OFM, Wiedenbrück
Die Zeichnung fertigte Br. Peter Fobes OFM nach der Skulptur "Der Hörende" des Bildhauers Toni Zenz an.


August

Kreuzgang von San Damiano in Assisi

Das kleine Kloster San Damiano vor den Toren Assisis ist in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: In der kleinen, damals verfallenen Kirche hörte Franziskus vom Kreuz herab die Stimme: "Stelle mein Haus wieder her! Siehst Du nicht, wie es zerfällt?" Später siedelte sich Clara mit einigen gleichgesinnten Frauen in San Damiano an und gründete ihren Orden, der heute die Bezeichnung Klarissen trägt. Am 11. August feiern die franziskanischen Gemeinschaften das Fest der heiligen Clara. Über diese mutige Ordensgründerin hat Pater Helmut Schlegel folgende Betrachtung verfasst:

 

Clara von Assisi

Ein schier unglaubliches Leben. Claras Abenteuer ist noch spannender als jenes von Francesco.
Draußen vor der Stadt. Wind und Wetter ausgesetzt sind Leib und Seele.
Innen und außen. Dasein genügt Clara. Dem Leben ins Angesicht schauen.
Barfuß auf nacktem Boden gehen. Die Seele entblößen, dass sie aufgeht in Gott.
Ungeschützt.

Mit Clara erst vollendet sich das Kirchbau-Spiel. "Siehst du nicht, wie sie zerfällt?" Francesco stampft das Fundament in den Boden. Setzt Stein auf Stein,
zieht Mauern und gibt der Kirche ihr Dach.

Clara gestaltet die Innenräume. Es wird licht und weit, es duftet nach Leben.
Die Distanz zur Welt ist keine Flucht. Und keine Angst. Nur der Raum,
um das Feuer anzuzünden.


Text: Helmut Schlegel OFM, Frankfurt/Main
Foto: Peter Fobes OFM. Das Bild zeigt den Innenhof von San Damiano


Juli

Und es begab sich, darauf wanderte Jesus durch Städte und Dörfer, predigte und verkündete die Heilsbotschaft vom Reiche Gottes (Lk 8,1).

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
so nützlich und demütig,
so köstlich und keusch.
(aus dem Sonnengesang des heiligen Franziskus)

 

Die Predigt Jesu orientiert sich an der realen Situation der Menschen, in der sie leben. Er nimmt sie ernst. Er setzt beim Wirklichkeitsverständnis an, er greift in seiner Verkündigung immer wieder Beispiele aus der Natur und dem menschlichen Alltag auf. Um dieses Ernst-Nehmen, die Dinge sehen wie sie sind, darum geht es. Mit dem heiligen Franziskus gesprochen: Wir müssen klares Wasser werden. Klares, reines Wasser ist durchsichtig, deshalb nennt Franziskus Wasser auch demütig und keusch. Es rinnt so lange nach unten, bis es den tiefsten Punkt erreicht hat. Demut meint Mut zum Dienen. Dabei geht es nicht um das Dienen unseren eigenen Interessen gegenüber, sondern um das Dienen dem Eigentlichen und Ursprünglichen. Eigeninteresse und Unlauterkeit trüben das Wasser. Unser Denken, unser Tun muss immer durchsichtig sein auf Gott hin, so wie Wasser auch durchsichtig ist. Wasser hat auch die schöne Eigenschaft, Spiegel zu sein. Der, der hineinschaut, sieht sich selbst. Gerade in Zeiten des Umbruchs und der Verunsicherung vermögen nur Klarheit in Bezug auf unsere eigenen Motive und Durchsichtigkeit in Bezug auf unsere Gotteskindschaft Orientierung zu geben.

Text: aus einem Vortrag von Franz Lackner OFM, Weihbischof der Diözese Graz-Seckau zum Thema „Verborgenheit und Erkenntnis Gottes - `Es ist so`“

Foto: Heike Brinkemper, Wiedenbrück
Das Foto zeigt den Franziskusbrunnen vor der Pforte des Franziskanerklosters Wiedenbrück


Juni

Jesus sagt in seiner Bergpredigt:
Sorgt Euch nicht um euer Leben, was ihr essen werdet, noch um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels: Sie sähen nicht, sie ernten nicht  und sammeln nicht in Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? (Mt 6,25-26)


Ein Vogelkind, kürzlich erst aus dem Ei geschlüpft. Neugierig reckt es den Kopf aus dem Nest. Es spürt: Die Sonne. Die Luft. Die Speise, die die Mutter ihm bringt. All dies braucht es jetzt, und letztlich wird es ihm von Gott geschenkt. Voller Vertrauen ist dieser Vogel und er wird nicht enttäuscht. Später wird die Sonne ihm Licht spenden, die Luft ihn beim Fliegen tragen und die Natur ihn nähren.

Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?   Mit diesen Worten meint Jesus, dass - wenn schon die Vögel von Gott versorgt werden - erst recht wir uns um die Zukunft nicht zu sorgen brauchen. Dieses Wissen macht gelassen und innerlich froh.

Wenn die vier deutschen Franziskanerprovinzen am 1. Juli 2010 zu einer gesamtdeutschen Provinz vereinigt werden, melden sich sicherlich auch manche Sorgen. Aber gerade der Ordensgründer Franziskus hat uns vorgelebt, wie wir alles in Gottes Hand legen können; vielleicht dachte er auch an die Vögel des Himmels.


Text: Peter Fobes OFM
Foto: Klaus Steinbüchl OFM


Mai

Jesus sprach zu seinen Aposteln: „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“ (Mk 9,41)

Ein Becher Wasser

Dienen bedeutet im Grunde Fragen stellen. Nicht irgendwelche Fragen, sondern solche, die sich an die Person richten und in denen es um die Person geht. Zum Beispiel: „Was brauchst du?“ Darin verbirgt sich Anteilnahme, Sympathie, Mitgefühl. Fragen sind Alternativen zu Behauptungen. Behaupten muss ich mich, wenn ich um mein Ansehen bange, wenn ich kämpfe, um mich gegen andere durchzusetzen. Sobald ich aber den Kampf um die Selbstbehauptung aufgebe, sobald ich beginne zu fragen – nach dem Befinden, dem Glück und dem Wert des anderen –, setzt eine neue Bewegung ein. Es ist – biblisch gesprochen – die Bewegung der Demut, in der ich gleichwertig werde und eben darin meinen Wert, meine Würde und meine Anerkennung finde.

Es ist erstaunlich, was einfache Fragen bewirken können. „Wie geht es dir?“ – „Habe ich dir wehgetan?“ – „Was meinst du dazu?“ Ehrlich gestellt kann eine solche Frage eine völlig verfahrene Situation umkehren. Sie kann die Augen eines Kranken zum Strahlen bringen. Sie kann eine Freundschaft stärken. Sie kann verhärtete Gesichtszüge entspannen. Sie kann schweigende Gegner wieder zum Sprechen bringen. In diesem Sinn meint Jesus sein Wort an die Jünger: „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“

Text: Helmut Schlegel OFM. Aus seinem Buch "Mit dem Feuer des Geistes", Echter Verlag, Würzburg 2005
Bild: Elke Salzer/ www.pixelio.de


April - Osterzeit

Christsein wurzelt im Glauben an die Auferstehung Jesu Christi:
Er ist wahrhaft auferstanden – Halleluja!

Sei ehrlich:    bedeutet dir das etwas in deinem Alltag?
                        Würdest du anders leben, wenn Er nicht auferstanden wäre?

Jesus sagt:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.

An Ihn glauben heißt nicht:
         sagen, dass ich an Ihn glaube,

sondern,  
         so leben, dass mein Alltag ein schrittweises Einüben des Vertrauens in Ihn ist.  
         Schrittweise, nicht alles auf einmal!

Und dann wirst du nicht sterben!
Dein Leib schon, deine Gestalt wohl,
aber nicht das, was du bist,
nicht das, was dein lebendiges Leben ausmacht!

Da ist etwas in dir,
etwas Lebendiges,
das Gott so kostbar ist,
dass Er es in Ewigkeit nicht sterben lassen will.

Du bist gemeint mit der Botschaft der Auferstehung!

 

Text: Schwester Ancilla Röttger OSC, Klarissenkloster Münster


Heilige Woche

Mann mit Maske und Kreuz im Profil
Kreuzträger in Wiedenbrück

Jahr für Jahr findet in Wiedenbrück/Westfalen am Karfreitag die traditionelle Kreuztracht statt. Diese Prozession ist dem Leiden und Sterben Christi gewidmet und zieht von der Franziskanerkirche durch die historische Stadt. Das Wort "Kreuztracht" leitet sich vom "Kreuz tragen" ab. Von traditionellen Gesängen begleitet, gedenken die Franziskaner und die anderen teilnehmenden Gläubigen der Passion Jesu Christi und seines Weges durch Jerusalem. In der Prozession trägt ein Mann, gekleidet in weißer Tunika und rotem Überwurf, wie Jesus das Kreuz. Auf dem Weg sind sieben Stationen vorgesehen, an denen er niederkniet, während ein Chor das O CRUX AVE SPES UNICA (O Kreuz, unsere einzige Hoffnung, sei gegrüßt) singt. Ein als Simon von Cyrene gekleideter Mann hilft das Kreuz tragen. Die beiden Männer, die Jesus und Simon vergegenwärtigen, haben das Gesicht unter einer Maske verborgen. So bleiben sie anonym.

Die Teilnahme an der Prozession verbindet die Kreuzträger, aber insbesondere auch alle anderen Gläubigen innerlich mit der Passion Jesu. Es genügt offenbar nicht, die Leidensgeschichte Jesu nur in der Heiligen Schrift zu lesen. Es berührt den Menschen zusätzlich, sie anschaulich vor Augen wiederkehren zu lassen.

"Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,  nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Lk 9,23).

Gerade in diesem Schriftwort wird es deutlich: Jesu Jünger sein heißt ihm nachfolgen, seinen Weg gehen. Dabei  "sich verleugnen", d.h.  sich vom egoistischen Ich abwenden, und "täglich sein Kreuz auf sich nehmen", sich also den Erfordernissen des Lebens stellen - gerade wenn sie einem schwer fallen. So kann sowohl dieses Schriftwort als auch das Bild des Kreuzträgers in Wiedenbrück dazu anregen, die Passion zu meditieren und mit dem eigenen Leben in Verbindung zu setzen. Und am Osterfest wird dann die Botschaft der Auferstehung umso stärker erlebt.

Die Kreuztracht in Wiedenbrück findet schon seit dem 17. Jahrhundert statt. Die teilnehmenden Gläubigen reihen sich somit Jahr für Jahr in die Schar der Menschen ein, die durch die Jahrhunderte diesen Weg gegangen sind. Die historischen Fotoaufnahmen verdeutlichen, wie die Tradition stets unverändert weitergegeben wurde, gut erkennbar, weil beide Bilder an derselben Stelle aufgenommen wurden: das eine um 1927, dass andere 2007, also mit 80 Jahren Unterschied.

Foto: © Andreas Kirschner, www.foto-wd.de

 

Kreuztracht um 1927: Andreas Kirschner, Archiv Hartmann-Etscheidt
Kreuztracht 2007: Andreas Kirschner, www.foto-wd.de

März

Schlichtes Holzkreuz vor blauem Himmel
Kreuz auf dem Berg Alverna. Auf diesem Berg hat Franziskus die Wundmale erhalten.

Das Kreuz im Leben von Franziskus

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Jesus Wundmale trug, am Kreuz verwundet wurde, weil die Menschen an der unerlösten Schöpfung leiden, weil die Menschen verwundet sind. Die Wundmale einer leidenden Menschheit sind die Wundmale Jesu! Das Kreuz der Menschheit ist das Kreuz Jesu. Er leidet, weil sie leiden, die er liebt.

Franziskus liebte Christus. Und weil der, den er liebte, verwundet ist, Wundmale trägt, darum trägt auch Franziskus Wundmale. Es tut ihm weh, dass Christus leidet, es tut ihm weh, dass die Menschheit leidet. Darum trägt Franziskus die Wundmale Christi. Darum trägt Franziskus die Wundmale der Menschen.

So frage ich mich heute: Tut es mir weh, dass Christus verwundet ist?

Trage ich Wundmale, weil Menschen, wo auch immer auf der Welt, Wundmale tragen? Es ist eine Frage der Liebe!

 

Text: P. Franz Josef Kröger OFM, Werl, aus seinem Buch "Auf den Spuren von Franziskus", Werl 1993

Bild: Schw. Ancilla Röttger OSC, Münster

 


Februar

Als Jesus einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. (Markus 2,1-2)


Wir können immer mit der Frage beginnen: Was will der Evangelist uns sagen? Die Antwort darauf heißt: Er möchte uns mit den verschiedensten Begebenheiten aus dem Leben Jesu verkünden, wer dieser Jesus ist. Mit dieser Verkündigung greift der Evangelist etwas auf, was Jesus selbst auch getan hat. So heißt es im Evangelium: Jesus verkündete den vielen Menschen, die sich bei ihm versammelt haben, das Wort. Dieses Wort, in das er sein eigenes Leben eingeborgen hat, lebt weiter bis in unsere Tage. Und jetzt haben wir den Auftrag, es weiterzutragen, weiterzuverkünden. Wir alle haben von Jesus Christus gehört. Keiner von uns Menschen hat den Glauben an ihn, ohne dass er das Wort gehört hätte. So bedarf es immer der Menschen, die das Wort weiterverkünden, und es bedarf derer, die es hören, die zuhören. In beidem finde ich mich selbst wieder. Ich habe den Auftrag, das Wort zu verkünden und bin zugleich auch Hörer des Wortes. Durch das Hören wird mir das Leben des Herrn stets neu geschenkt. Je mehr ich hörend das Leben des Herrn in mich aufnehme, umso mehr kann ich es im Wort weiterverkünden.

 

Text: Wendelin Reisch OFM

Bild: Natanael Ganter OFM
Das Bild zeigt das Evangelienbuch in der Franziskanerkirche Wiedenbrück


Januar 2010

Christen sind Menschen mit Hoffnung


Christen zeichnete zu allen Zeiten eine besondere Dynamik aus. Christen sind Menschen mit Hoffnung. Sie hofften selbst dort, wo es nach menschlichem Ermessen nichts mehr zu hoffen gab: „sperare contra spem“ lautete die Maxime der ersten christlichen Generationen. Christen sind – und das ist ihre Stärke – im wahrsten Sinn des Wortes „Anfänger“. Ihre Stärke liegt in einer besonderen Form von Mut, der Demut, immer wieder neu anzufangen. Heilige und große Vorbilder im Glauben haben uns das gezeigt. Der heilige Franziskus ruft am Ende seines Pilgerweges, nachdem seine Nachfolge auf den Spuren des armen Jesus von Nazareth eine Leuchtspur durch ganz Europa gezogen hat, den Brüdern zu: „Lasst uns anfangen, denn bis jetzt haben wir noch nicht viel getan.“ Der Bekenner Dietrich Bonhoeffer sprach beim Betreten der Hinrichtungskammer: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn eines neuen Lebens.“ Christen hatten zu allen Zeiten den Mut auf den Scherbenhaufen ihrer Vergangenheit, an den Grabhügeln ihrer verblassten Träume und Sehnsüchte, dennoch an die Zukunft und an das Leben zu glauben.
Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. Was es bringen wird, wissen wir nicht, aber eines ist gewiss: wir sind zur Hoffnung berufen! Besinnen wir uns auf diese ureigene Stärke des Christseins. Lassen wir diesen ersten Tag des Jahres nicht einfach vorübergehen, sondern setzen wir einen Neuanfang. Fangen wir an! Machen wir Ernst mit Gott und geben ihm, der Leben in Fülle verspricht, eine neue Chance.
Anfang und Ende des Lebens sind ausgezeichnete Momente. Jedem  Anfang wohnt eine Unschuld inne. Anfangen, so es ehrlich und authentisch ist, kann nie falsch sein. Ein ehrlicher Anfang verlangt dem Menschen auch sehr viel ab, denn es gibt noch keinen vorgezeichneten Weg. Anfangen erlaubt keinen Blick zurück. Wir müssen den Mut haben, vom Jetzt aus den Schritt in die Zukunft zu wagen. Das sind wir nicht gewohnt. Zu gerne handeln wir aus der Vergangenheit heraus. Das Vergangene, vornehmlich die schlecht gemachten Erfahrungen, schreiben uns nicht selten die Zukunft vor. Wir leben unsere Berufung zum Menschsein leider allzu oft nach derartiger Vorschrift, und das wird selbst dort noch getan, wo eine gewisse Skepsis Regeln und Gesetzen gegenüber vorherrscht. Der Neuanfang im Glauben setzt den Schritt nicht so sehr ausgehend von Vergangenheit, sondern beginnt bei Gegenwart und führt in die Zukunft. So dürfen wir als Glaubende mit der Offenheit eines Kindes in das neue Jahr blicken.
Gott ist ein menschenfreundlicher Gott. Es stimmt, es ist seine Freude bei den Menschen zu wohnen, aber Gott ist auch ein Gott der Überraschungen! Er liebt es gleichsam immer wieder neu entdeckt zu werden. Vor allem ist er der auf uns Zukommende. Gott liegt nie hinter uns. Die Zeit Gottes ist unsere Zukunft.
Bereits in der Antike wusste man: „Ein kleiner Irrtum am Anfang ist ein großer am Ende.“ Darum sollen wir kurz inne halten und die Aufmerksamkeit dorthin lenken, wo ein Neuanfang schon gelungen ist. Die Kirche stellt uns an diesem ersten Tag im neuen Jahr Maria, die Mutter Gottes, vor. Maria hat sich vorbehaltlos auf Gott eingelassen. Bei ihr und in ihr durfte Gott einen neuen Anfang setzen. Maria hatte ein offenes Herz für Gott. Dieses Zeugnis möge uns Mut geben, in gläubiger Bereitschaft den Weg ins neue Jahr zu beginnen. Es möge für uns alle, die Kirche und für die ganze Menschheit ein Jahr des Segens sein.

Text: Weihbischof Franz Lackner OFM, Graz. Ausschnitt aus seiner Neujahrspredigt im Grazer Dom am 1.1.2006
Bild Copyright: Marco Barnebeck / pixelio.de



Dezember 2009

Das war er, der Grenzzaun, der „eiserne Vorhang.
Auf unserem Bild ist er durchbrochen.
Das war das Wunder von 1989:
eine Grenze – unüberwindbar, undurchdringlich – öffnete sich.
Es war ein überdimensionales „Effata“,
das Deutschland vor den Augen einer staunenden Welt erlebte.

Menschen, durch Stacheldraht und Todesstreifen getrennt,
lagen sich in den Armen.
Das Wort von Günter Schabowski
„Nach meiner Kenntnis gilt das ab sofort“,
schenkte der Sehnsucht von 40 Jahren Erfüllung:
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.

In der Zeit des Advent bündelt sich die Sehnsucht der Menschheit
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ –
das Tor zum Himmel, die Tür von Gott zum Menschen.
Ich kann meine Türen aufmachen,
Gott muss seine Tür aufmachen.

Und die hat er aufgemacht
bei jenem die Weltgeschichte verwandelnden „Effata“
vor 2000 Jahren, als er seinen Sohn sandte,
als „der Himmel die Erde geküsst hat“ (Siegfried Fitz).

„Nach meiner Kenntnis gilt das ab sofort!“

Das hat Franziskus begriffen,
als er 1225 in Greccio das Weihnachtsereignis spielte,
richtig mit Ochs und Esel.

Ob wir begreifen,
dass die göttliche Türöffnung im Weihnachtsgeheimnis
für heute geschehen ist:

„Nach meiner Kenntnis gilt das ab sofort!“

 

Text: Br. Heribert Arens ofm vom Kloster Hülfensberg im 500m-Schutzstreifen der ehemaligen DDR-Grenze

 


November

Zivilcourage und Gottesfurcht

In besonderer Weise hat mich von Dietrich Bonhoeffer der Satz beeindruckt: „Es gibt in unserem Land die Tugend der Tapferkeit, aber es mangelt an der Tugend der Zivilcourage“. Das gilt bis heute! – Zivilcourage ist das Gegenteil von Anpassung und Menschenfurcht. Faktum ist, dass wir uns irgendwo durch den Dschungel von Meinungen und Positionen durchlavieren und versuchen, heil herauszukommen. Gegen den Strom zu schwimmen, Position zu beziehen für die Wahrheit und für die Entrechteten, setzt voraus, dass ich mir eine Meinung bilde, die nicht den Schlagzeilen der Boulevardblätter und nicht dem Trend der Stammtischgespräche entsprechen. Eine Meinung vielmehr, die überlegt und im Gewissen durchlitten ist.

In der Bibel findet sich der Begriff „Zivilcourage“ nicht ein einziges Mal, dagegen finden wir 59-mal das Wort „Gottesfurcht“. Wer meint, diese habe etwas mit der Angst vor Gott zu tun, möge die biblischen Zeugnisse genau lesen. Gottesfurcht meint, dass wir niemanden und nichts zu fürchten brauchen, weder ein Schicksal noch ein System noch einen Intriganten noch einen Despoten. Im Letzten kann uns niemand die Freiheit aus der Seele reißen, auch im gefährlichsten Augenblick bleiben wir freie Person und bestimmen über uns selbst. Als Gottesfürchtige bezeichnet die Bibel jene Menschen, die vor niemandem ihre Knie beugen außer vor Gott. Im Herzen solcher Menschen lebt die tiefe Überzeugung, von Gott geschaffen zu sein, aus ihm zu leben und zu ihm einmal heimzukehren.

 

Text: Helmut Schlegel OFM. Aus seinem Buch "Mit dem Feuer des Geistes", Echter Verlag, Würzburg 2005
Bild: S. Hofschlaeger/ www.pixelio.de


Oktober

Rosenkranz auf einem Tisch
Legende und Geschichte

Der Rosenkranz

Ein Gebet, bei dem man etwas in der Hand hat.

Als katholischer Christ kommt man am Rosenkranz nicht so einfach vorbei. Zu weit reicht diese Frömmigkeitsform in die Vergangenheit der Kirche zurück. Zu viele Menschen haben in diesem Gebet nicht nur Trost und Hilfe gesucht, sondern auch gefunden. Zu sehr gehört der Rosenkranz zur Erfahrung der ältern Generation. Zu unübersehbar ist aber auch seine Wiederentdeckung in der Spiritualität der Gegenwart. Dabei denke ich noch nicht einmal an seinen neuen ‚Standort’, dem Innenspiegel eines Autos, oder als Anhängsel frommer und auch weniger frommer Hälse, die sich dem Trend einfach nicht entziehen können.

Legende und Geschichte

Wer sich ernsthaft mit dem Rosenkranz beschäftigt, der wird eine ganze Reihe erstaunlicher Entdeckungen machen. Die Legende erzählt, dass die Gottesmutter Maria den Rosenkranz dem hl. Dominikus (1170 – 1221) anvertraut hat. Erst 300 Jahre später (1596) erlaubte Pius V. den offiziellen Gebrauch dieses Gebetes in seiner heutigen Form. Der geschichtliche Hintergrund war wohl der Wunsch und das Bedürfnis vieler Christen, ein ihnen entsprechendes Gegenstück zur Gebetspraxis der Mönche und Nonnen in den Klöstern zu haben. Diese beteten in ihren Tagzeiten die 150 Psalmen, den Psalter. Dem entsprechend beteten ‚die Laien’ 150 mal den ‚Englischen Gruß’, den erste Teil des Ave Marias. Der zweite Teil dieses Gebetes, die Anrufung der Fürsprache Mariens für uns Sünder und in der Stunde des Todes hat sich im 14./15. Jahrhundert entwickelt. Ein Kartäusermönch hat die 150 Ave in 15 Gesätze unterteilt. Jeweils zehn Aves wurde ein Vaterunser vorangestellt und ein ‚Ehre sei dem Vater’ angehängt. Diese Grundstruktur blieb für über 400 Jahre unverändert.

Von Leo XIII. an (1878 – 1902) hat es kein Papst versäumt, dem Rosenkranz, und damit einer marianisch geprägten Frömmigkeit seine Aufmerksamkeit zu schenken. Bei Johannes Paul II. kamen sicher noch ganz persönliche Erfahrungen hinzu, wie die religiöse Prägung durch seine polnischen Heimat und das Attentat auf ihn am 13. Mai 1981.

Weg durch Wald
Das Leben Jesu wird lebendig

Das Leben Jesu wird lebendig

Den Rosenkranz beginnt man mit dem Zeichen des Kreuzes. Das Kreuz ist das Symbol des Christlichen. Mit diesem Zeichen bezeichnen wir Stirn, Brust und Schultern, unser Denken (Verstand), unser Fühlen (Herz) und den Raum unseres Wirkens nach rechts und nach links, in dieser Welt und unter den Menschen.

Dann beginnt das langsame sich Vorantasten von Perle zu Perle, von Kostbarkeit zu Kostbarkeit, von Geheimnis zu Geheimnis. Es ist das Geheimnis, das uns umgibt und aus dem wir leben; das Geheimnis - nicht das unbekannt Dunkle, sondern das leuchtend Helle von Gottes Wirklichkeit, wie es uns die Ikonen verkünden. In der Wiederholung der Worte und im Berühren der Perlen verbinden sich Geist und Leib miteinander. Wir haben etwas in Händen, bewegen etwas durch unsere Finger und verweilen bei den Bildern der Hoffnung und Erlösung, wie sie aus der Geschichte Jesu vor uns auftauchen. ‚Wenn man den Rosenkranz andächtig betet, so Mutter Teresa, wird das Leben Jesu vor uns lebendig.’

Im Vaterunser beten wir das Gebet, das Jesus seinen Jüngern gelehrt hat; sie sollten anders beten als die Heuchler und anders als die Heiden (vgl. Mt 6,5-13), nicht demonstrativ, um gesehen zu werden, und nicht plappernd – weniger ist mehr.

Jedes Ave erinnert uns an das Herz des christlichen Glaubens, an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes. Der Gruß des Engels an Maria und die Freude Elisabeths bei der Begegnung mit ihr (Lk 1,28.42) schwingen ineinander. Die Offenbarung des göttlichen Willens und die Freude über das Ja des Menschen, der Gottes Willen ‚geschehen’ lässt, der ‚ja’ sagt zu dem, was Gott mit ihm und durch ihn will, entsprechen einander. Maria hat dieses ‚ja’ gesprochen. Die Jungfrau wurde zur Mutter des Erlösers, dies ist die gläubige Überzeugung der ganzen Christenheit. Maria kommt diese Schlüsselrolle zu. Der Rosenkranz hat sie nicht erfunden, er reflektiert sie nur.

Irgendwann in der Geschichte des Rosenkranzes wurde der Name Jesus zum geisterfüllten Gruß Elisabeths hinzugefügt: und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: Jesus. Hier ist der Höhepunkt des Gebetes, denn ihm – Jesus – hat Gott den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesus (Phil 2,9). Was der Engel Maria verkündet und was Elisabeth geisterfüllt zu ihr gesagt hat, verdichtet sich in diesem Namen: Jesus – Gott wird retten. Zu dieser Glaubensgewissheit führt uns der Rosenkranz.

In drei großen Zyklen wird das Leben Jesu und die Geschichte unseres Heils betrachtet. Wir begegnen dem menschgewordenen Gottessohn, wir betrachten das dunkle Geheimnis seines Leidens und Sterbens, und wir nehmen teil an der Freude, die ihren Grund in seiner Auferstehung von den Toten und in der Erneuerung der Welt hat. Heute kommt noch ein vierter Zyklus hinzu, der lichtreiche Rosenkranz, der das öffentliche Wirken Jesu betrachtet.

Erst am Begin des 16. Jahrhunderts wurde der zweite Teil angefügt: die Anrufung Mariens als Fürbitterin zur Vergebung unserer Sünden jetzt und in der Stunde des Todes. Nicht nur die Zeit wird um den Grund und die Notwendigkeit dieser Bitte gewusst haben.

Der Fatima-Zusatz nach jedem Gesätz ist fakultativ: O mein Jesus… Er kann wegfallen oder durch ein anderes kurzes Gebet ersetzt werden.

Meditativ beten

Die jeweils 10 Ave sind wie das Ticken einer Uhr, das uns die Zeit des Verweilens anzeigen will; ein Maß, das uns nicht binden oder fesseln, sondern nur leiten will.

Als Gebet der Kontemplation öffnet uns der Rosenkranz den ganzen Reichtum der Frohen Botschaft. Nicht die Worte sind das Wesentliche, sondern das, was über die Worte hinaus und jenseits der Worte in Gottes Gegenwart führt. Hier spielen das Maß und die Zeit und die Worte keine große Rolle mehr. Und wo wir mit unseren Gedanken abschweifen kehren wir einfach wieder zurück zu den Geheimnissen; wo wir bleiben wollen, bleiben wir; was uns heute nicht anspricht, spricht uns morgen oder übermorgen an.

Wer den Rosenkranz so zu beten versucht, der hat das Atemholen nicht nur der Seele entdeckt. Wenn der Beter die immer lauernde Versuchung zur Heuchelei und zum Plappern hinter sich gelassen hat, kann er zur Gebetsweise Mariens vordringen: sie bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen (Lk 2,19).

Als Gebet der Wiederholung lebt der Rosenkranz von einer abwechslungsreichen Gestaltung. Eine Neuentdeckung und Neubelebung dieses Gebets der biblisch orientierten Spiritualität wird bei uns sicher noch einige Hindernisse zu überwinden haben. Das Kreuz und die Perlen, das unverwechselbar Christliche und die Kostbarkeiten unseres Glaubens sind ein Schatz, der uns anvertraut ist, und der uns auf unserem Weg durch die Zeit begleiten will. Sie sind deshalb da, damit wir ,etwas in der Hand haben’.

 

Text: Hadrian W. Koch OFM

Bildernachweis:

  • LEGENDE UND GESCHICHTE: Copyright: Hajo Hempel / www.pixelio.de
  • DAS LEBEN JESU WIRD LEBENDIG. Copyright: Maria Lanznaster / www.pixelio.de
  • MEDITATIV BETEN: Copyright: Franz Josef Kröger OFM, Franziskanerkloster Werl.


September

Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. (Johannes 15,5)

Das Bild vom Weinstock war dem Volk Israel gut bekannt. Die Propheten hatten immer wieder im Bild des Weinstockes das Verhältnis des Volkes zu ihrem Gott Jahwe beschrieben. Es war die Pflanze, die sich Gott selbst gepflanzt und großgezogen hatte. Auf diesem Hintergrund ist es ein ungeheuerliches Wort, das Jesus ausspricht: Ich bin der wahre Weinstock. Er tritt an die Stelle des Volkes Israel. Dieses ist nun aufgerufen, ihm zu glauben und so weiter Weinstock in ihm zu sein.
Jesus deutet es uns an, warum er diesen Anspruch erheben kann. Er sagt: Ich bin. Das Wort erinnert an den Gottesnamen, der dem Moses mitgeteilt worden ist. Jesus beansprucht diesen Namen, denn in ihm ist das Leben und die Wirklichkeit Gottes, seine Liebe und Treue, zu uns Menschen gekommen. Darum kann Jesus im Bildwort vom Weinstock sein eigenes Leben zum Ausdruck bringen. Er ist der richtige Weinstock schlechthin. Alle anderen Weinstöcke haben nur insoweit Gültigkeit und Wahrheit in sich, wie sie von seinem Leben in sich tragen. Die Geschichte der Menschen kann uns erzählen, wie viele Herrscher sich als letzte Größe ausgegeben haben und doch alle gestorben sind und mit ihnen ihr Reich untergegangen ist. Immer wieder hängen die Menschen sich an solche vergängliche "Weinstöcke" und enden in der Vergänglichkeit. Es gibt nur einen Menschen, der von sich sagen konnte "Ich bin der wahre Weinstock", und dies ist Jesus Christus.

Text: Wendelin Reisch OFM
Bild: Copyright Kurt Bouda/ www.pixelio.de


August

Moderne Darstellung der Heiligen Klara in der San Damino-Kirche in Assisi

Klara von Assisi – Ein Leben in Gottes- und Nächstenliebe

Die franziskanischen Orden begehen jährlich am 11. August das Fest der heiligen Klara, der Gründerin der Klarissen.

„Nachdem jedoch die anderen Schwestern daran gingen, ihre müden Glieder auf hartem Lager neu zu stärken, harrte sie selbst, stets wachsam und unerschütterlich, im Gebete aus, damit sie heimlich den Inhalt des göttlichen Flüsterns erlausche….“

So schreibt Thomas von Celano über die hl. Klara von Assisi im 19. Kapitel ihrer Lebensbeschreibung. Im 38. Kapitel schreibt er dann: „Denn öfters in kalten Nächten deckte sie mit eigener Hand die Schlafenden zu, und von denen, die sie für zu schwach hielt, die gemeinsame Strenge des Lebens zu halten, wollte sie, sie sollten sich mit einer gemilderten Lebensweise zufrieden geben“.

Gottes- und Nächstenliebe bilden bei Klara eine tiefe Einheit. Ihr „ganz Ohr“ sein gilt beiden: Gott und Mensch, in beiden feiert sie beständig Begegnung. Ihre Gotteserfahrung macht geradezu ihren Blick frei für alle alltäglichen Begebenheiten, in denen ihr Gott in anderer Gestalt begegnet: in der konkret leidenden, traurigen, frierenden Schwester. Der Mensch, der wirklich zutiefst von Gottes liebendem Wort getroffen und betroffen ist, ist kein „für sich“ mehr, er ist immer auch schon Gesandter, er wird nur in die Höhe gehoben, um der Tiefe standzuhalten, ihr nicht mehr zu entfliehen. 6 Tage vor dem Fest der hl. Klara feiern wir das Fest der Verklärung Christi. Es sagt uns doch genau das: Jesus schauen: ja, für einen Augenblick und nur, um danach hinabzusteigen, hinab in die Banalität des Alltags, in Not vielleicht und Leid, eigenes und fremdes, aber immer mit der Erfahrung des Lichts im Herzen, die manchmal nur noch als Ahnung weiterlebt. So bleibt Klaras Leben ausgestreckt zwischen diesen beiden Polen: Gott und Mensch, oben und unten. Kontemplation und Aktion waren für sie keine Gegensätze, sondern befruchteten einander, und sie gibt uns diese Erfahrung als Mahnung in ihrem Testament mit auf den Weg: „Und liebt einander Kraft der Liebe Christi und zeigt die Liebe, die ihr im Herzen habt, auch nach außen durch die Werke, damit die Schwestern durch dieses Beispiel immer in der Liebe zu Gott und in der Liebe zueinander wachsen."

Text: Sr. M. Magdalene Bauer, OSC - Orden der Heiligen Klara, Kevelaer


Portal einer romanischen Kircher

Juli

URLAUBSZEIT:

Wir freuen uns auf diese Wochen der Erholung, des Ausspannens, des Sammelns neuer Kräfte. Wir haben endlich einmal Zeit für Dinge, die der Alltag, der Stress und die Routine nicht zulassen.

Zeit auch für Gott, ihm einmal Raum zu geben in unserm Leben. Am Urlaubsort finden wir sicherlich eine Kirche, die geöffnet ist, die uns einlädt einzutreten, die uns Ruhe und Besinnung schenkt. Wir können ein Gebet sprechen, um ruhig zu werden und uns Gott zu öffnen. So wird der Urlaub nicht nur eine körperliche Erholung, sondern eine Erneuerung an Leib, Seele und Geist.

Text und Foto: Peter Fobes OFM

 


Juni

Aufgeschlagene Bibel.auf der eine Brille liegt, die die Worte: "Im Anfang war der Logos - das Wort" vergrößert.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. (Johannes 14, 26)

Ich muss wieder an den heiligen Franziskus denken. Er hat das Evangelium wörtlich in sein Leben aufgenommen und darin verwirklicht. Ich nehme an, dass er erfahren hat, dass Gott Vater und Gott Sohn zu ihm in sein Leben gekommen sind. Er musste fortan nicht mehr allein nach den Geboten leben, sondern die Gegenwart Gottes hat ihn in seinem Leben getragen und motiviert. Er hat die Wahrheit des anderen Wortes erfahren, das Jesus seinen Jüngern gesagt hat: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Im Leben mit dem Herrn hat er eine ungeahnt tiefe Einsicht in das Wirken Gottes in dieser Welt und in den Menschen bekommen. Er sagt zum Beispiel, der Heilige Geist sei der eigentliche Leiter seines Ordens. Er glaubte an die Gegenwart und das Wirken eben dieses Heiligen Geistes in jedem Bruder. Darum konnte er offen sein auch für das, was der ungebildetste Bruder zu sagen hatte. Es hat sich in seinem Leben gezeigt, dass das Wort wahr ist, wer den Herrn liebt, wird an seinem Wort festhalten. Er hat so sehr am Wort, das ihm durch die Kirche gesagt und überliefert wurde, festgehalten, dass er die katholische Kirche nie verlassen hätte.

Text: Wendelin Reisch OFM
Foto: www.pixelio.de /Elisabeth Patzal


Mai

“Nehmt Gottes Melodie in euch auf”

Bischof  Ignatius von Antiochien  hat diese Worte “Nehmt Gottes Melodie in euch auf” um das Jahr 105 an seine Gemeinde von Ephesus geschrieben. Offenbar war er der Überzeugung, dass Gott für jede und jeden von uns eine bestimmte Melodie ausgesucht hat, auf die wir gestimmt sind.

Für alle, die getauft sind, ist ihre Lebensmelodie auf die von Jesus Christus gestimmt. Er ist das Liebeslied, das Gott selbst in die Welt hineingesungen hat, denn wenn Gott die Liebe ist, sind seine Lieder Liebeslieder.

Der Monat Mai ist – ob nun zu recht oder unrecht – der Wonnemonat, der Monat der Liebe.

Auch das Kirchenjahr sieht das wohl so und ehrt besonders die Frau, in der Gottes Liebeslied seinen schönsten Widerhall gefunden hat: Maria, die Frau, in der Gottes Liebeslied Mensch geworden ist. Natürlich kann man das auch anders ausdrücken, und die Tradition hat viele Möglichkeiten gefunden.

Was aber bleibt: Maria selbst ist die große Sängerin in ihrem ‚Magnifikat’. Sie ist sich der Liebe Gottes bewusst, wenn sie ihre Seele ihn hoch preisen lässt. Maria weiß um die Liebe Gottes, die nie endet – von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation. Sie besingt die Liebe, die nicht nur hilflos zuschaut, wenn Mächtige ihre Macht missbrauchen und Ohnmächtige unten gehalten werden sollen. Maria besingt Gottes Liebe als das Brot für den Alltag; sie besingt Gottes Gerechtigkeit, die mit Hunger und Sattheit ihre eigenen Wege geht.

Maria hat Gottes Melodie in sich aufgenommen und in sich selbst Raum gegeben. Sie hat ihre Lebensmelodie auf  die Lebensmelodie ihres Sohnes gestimmt. In ihrem Gesang ist sie zur besten Interpretin seiner Botschaft und Sendung geworden.

“Jesus Christus ist das Liebeslied Gottes für uns” hat Ignatius gesagt, und Franziskus so verstanden, wenn er mit zwei einfachen Holzstöcken Geige spielte. Der, der gottverliebte Sänger und Spielmann.

Das wäre eine schöne Maiandacht, wenn wir mit dem Sänger der Psalmen singen würden: Er legte mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen und auf den Herrn vertrauen (Ps 40,4).

Text: Hadrian W. Koch OFM
Foto: pixelio.de/ Rainer Sturm


April

(c) pixelio.de/St. Bratek

Karfreitag und Ostern

Jesus schenkt Versöhnung

Jesus gibt sein Leben bis zum bitteren Ende für die Armen und Sünder hin. Der erste, der die Vergebung geschenkt bekommt, ist Petrus, der ihn verleugnet hat und dies bereut. Des weiteren tröstet Jesus die Frauen, die um ihn klagen und weinen. Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.

Ebenso bekommt der Schächer, der sich zu Jesus bekennt, seine vergebende Liebe. Der Schächer sagte: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Bis zum letzten Atemzug ist der Herr der Heiland der Menschen. Selbst für die, die ihn kreuzigten, betet der Herr: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und mit einem lauten, vertrauenden Gebet vollendet der Herr den Weg seines Erdenlebens, auf dem er den Willen seines Vaters vollzogen hat, Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.

Das Ewige Heute ist unsere Möglichkeit von heute geworden. Wir können wie Petrus Vergebung finden. Wie Jesus im Gebet die Kraft von seinem Vater bekommen hat, so können auch wir uns im Gebet an unseren Vater im Himmel wenden. Als Menschen des Neuen Bundes haben wir die Lebensquelle in der Feier der Eucharistie. Bis zum Ende unseres Lebens sollen wir heilend für die Menschen, selbst für die Feinde, da sein.

Text: Wendelin Reisch OFM
Bild: Stephan Bratek / PIXELIO.DE


März

Die Fastenzeit lädt zur inneren Umkehr ein, zum Überdenken des Bisherigen und zur Neuorientierung in die Zukunft. Umkehr war auch das zentrale Thema im Leben des heiligen Franziskus. Ein Ereignis in der kleinen, vom Verfall bedrohten Kirche San Damiano vor den Toren Assisis brachte den noch jungen Franziskus auf einen völlig neuen Weg. Dort hörte er vom Kreuz herab eine Stimme zu ihm sprechen: Siehst Du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stelle es wieder her!

Sogleich begann er, dieses Kirchengebäude wieder instand zu setzen.

Später dann weitete er den Auftrag aus und erneuerte die Kirche, die aus lebendigen Steinen besteht, die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden.

Erneuerung muss von innen kommen: Die innere Umkehr der Gläubigen bewirkt die Erneuerung der Kirche, die heute wie damals notwendig ist.

Stelle mein Haus wieder her! Dieser Auftrag vom Kreuz herab ist an alle Christen gerichtet. Gerade jetzt in der Fastenzeit dürfen wir uns darauf besinnen.

 

Text: Peter Fobes OFM
Das Bild zeigt die Kirche San Damiano, Assisi, fotografiert von Fritz Nölke.

 


Februar

Kreuzgang der Basilika S. Paolo in Rom, der Grabeskirche des heiligen Paulus.

Vom 28. Juni 2008 bis 29. Juni 2009 wird das Paulus-Jahr begangen. Vor etwa 2000 Jahren wurde der Apostel Paulus in Tarsus geboren. Er trug wesentlich zur Verbreitung des christlichen Glaubens im 1. Jahrhundert bei. Paulus war ein missionarischer Mensch. Er lebte nicht nur den Glauben für sich, sondern gab ihn an andere weiter, auf drei ausgedehnten Reisen, die ihn in große Teilen des Mittelmeerraumes führten: Kleinasien, Griechenland und Rom, möglicherweise sogar Spanien.

Auch Franziskus von Assisi war ein missionarischer Mensch. Als er einmal bei einem Gottesdienst in der Porziuncola-Kapelle das Evangelium von der Aussendung der Zwölf hörte (vgl. Met 10, 1-15), setzte er die Aufforderung Jesu an seine Jünger buchstäblich in die Tat um: Er legte den Wanderstab beiseite, zog seine Sandalen aus, tauschte den Ledergürtel gegen einen Strick und durchwanderte nun predigend das Land. So gewann er viele Menschen zum rechten Glauben an Christus zurück.

Die heutige Zeit braucht missionarische Menschen, hier in Deutschland genauso wie anderswo. Jeder getaufte Mensch ist dazu berufen, das, was er von Gott erfahren hat, nicht für sich zu behalten, sondern weiterzugeben: er kann darüber sprechen, er kann aus chistlichem Geist handeln, er kann ein christliches Symbol tragen oder sonst sichbar machen, dass er an Christus glaubt.

Wer wirklich von Christus begeistert ist, kann es nicht für sich behalten, er wird es auch anderen miteilen!

Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt die auf einem Berge steht, kann nicht verborgen bleiben. Auch zündet man nicht ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen, die in Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mat 5, 14-16)

Text: Peter Fobes OFM
Foto: Werner Euteneuer OFM +


Januar 2009

Kamel in der Wüste mit großem Baum
(c) pixelio.de/dido_ob

Jesus Christus spricht:
Was bei den Menschen
unmöglich ist,
das ist bei Gott
möglich.

(Jahreslosung 2009: Lukas 18,27)

 

 

 

 

 

 

 

 

Losungen
Ununterbrochen seit 1731 gibt die Herrnhuter Brüdergemeine, eine evangelische Freikirche,  die Losungen heraus. Hierbei handelt es sich um Bibelzitate, die für jeden einzelnen Tag des Jahres sowie die Monate und das ganze Jahr ausgelost und den Menschen als geistlichen Impuls mit auf den Weg durch den Tag gegeben werden. Neben dem gedruckten Losungsbuch, das in mehreren Sprachen erscheint, gibt es heute auch die Möglichkeit, die Losungen per Email oder SMS täglich zu erhalten. Wir erinnern in diesem Monat an diese schöne und alte evangelische Tradition in ökumenischer Verbundenheit.

Informationen zu den Losungen: http://www.losungen.de/
Informationen zur Herrnhuter Brüdergemeine: http://www.ebu.de/


Weihnachtswoche

(c) pixelio.de/riessado

Vom Himmel hoch, da komm' ich her.
Ich bring' euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring' ich so viel,
Davon ich sing'n und sagen will.

Euch ist ein Kindlein heut' gebor'n
Von einer Jungfrau auserkor'n,
Ein Kindelein, so zart und fein,
Das soll eur' Freud' und Wonne sein.

Es ist der Herr Christ, unser Gott,
Der will euch führ'n aus aller Not,
Er will eu'r Heiland selber sein,
Von allen Sünden machen rein.

Er bringt euch alle Seligkeit,
Die Gott der Vater hat bereit,
Daß ihr mit uns im Himmelreich
Sollt leben nun und ewiglich.

So merket nun das Zeichen recht,
Die Krippe, Windelein so schlecht,
Da findet ihr das Kind gelegt,
Das alle Welt erhält und trägt.

Text und Melodie: Martin Luther
Informationen zum Martin Luther.

Musik zum Thema.


3. Adventswoche

Was ist ein Dornenwald?

Maria durch ein' Dornwald ging.
Kyrieleison !
Maria durch ein' Dornwald ging,
Der hatte in sieben Jahrn kein Laub getragen !
Jesus und Maria.

Was trug Maria unter ihrem Herzen ?
Kyrieleison !
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
Das trug Maria unter ihrem Herzen !
Jesus und Maria.

Da hab'n die Dornen Rosen getragen.
Kyrieleison !
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
Da haben die Dornen Rosen getragen !
Jesus und Maria.

Wie soll dem Kind sein Name sein ?
Kyrieleison !
Der Name, der soll Christus sein,
Das war von Anfang der Name sein !
Jesus und Maria.

Wer soll dem Kind sein Täufer sein ?
Kyrieleison !
Das soll der Sankt Johannes sein,
Der soll dem Kind sein Täufer sein !
Jesus und Maria.

Was kriegt das Kind zum Patengeld ?
Kyrieleison !
Den Himmel und die ganze Welt,
Das kriegt das Kind zum Patengeld !
Jesus und Maria.

Wer hat erlöst die Welt allein ?
Kyrieleison !
Das hat getan das Christkindlein,
Das hat erlöst die Welt allein !
Jesus und Maria. 
  
Volkslied aus dem Eichsfeld, 16. Jahrhundert

Musik zum Thema:
O Haupt voll Blut und Wunden

(Foto: (c) pixelio.de - killerkeks)


2. Adventswoche

Leere Straßenkreuzung bei Nacht.
(c) pixelio.de/A. Dreher

Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der läßt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht."

Jochen Klepper, 1937

Informationen zu Jochen Klepper

Musik zum Thema:
Musiker Schiller - Die Nacht - hier klicken

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1. Adventswoche

Klingelbrett eine Hochhauses
(c) pixelio.de/Gabi Schönemann

 

Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit!
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt,
der halben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich an Rat.
 
Er ist gerecht, ein Helfer wert,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron' ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unser Not zum End' er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat!
 
O wohl den Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.
 
Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit,
eur Herz zum Tempel zubereit‘.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
 
Komm, o mein Heiland, Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein,
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein heilig Geist uns führ und leit
den Weg zur ew’gen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
 
Georg Weissel (1590-1635) nach Psalm 24

Informationen zu Georg Weissel

Der Thomaner-Chor Leipzig singt "Mach hoch die Tür"


November

Nun lasst uns den Leib begraben

Nun lasst uns den Leib begraben;
Daran wir kein'n Zweifel haben,
Er wird am Jüngsten Tag aufstehn
Und unverrücklich herfür gehn.

Erd' ist er und von der Erden.
Wird auch zur Erd' wieder werden
Und von der Erd' wieder aufstehn,
Wenn Gottes Posaun' wird angehn.

Seine Seele lebt ewig in Gott,
Der sie allhier aus seiner Gnad'
Von aller Sünd' und Missetat
Durch seinen Sohn erlöset hat.

Sein Arbeit, Trübsal und Elend
Ist kommen zu ein'm guten End';
Er hat getragen Christi  Joch,
Ist gestorben und lebt noch.

Die Seele lebt ohn' alle Klag',
Der Leib schläft bis am jüngsten Tag,
An welchem Gott ihn verklären
Und der Freuden wird gewähren.

Hier ist er in Angst gewesen.
Dort aber wird er genesen,
In ew'ger Freude und Wonne
Leuchten wie die helle Sonne.

Nun lassen wir ihn hier schlafen
Und gehn all' heim unsere Strassen,
Schicken uns auch mit allem Fleiss,
Denn der Tod kommt uns gleicher Weis.

Das helf uns Christus, unser Trost.
Der uns durch sein Blut hat erlöst
Von's Teufels G'walt und ew'ger Pein;
Ihm sei Lob, Preis und Herrlichkeit allein!

Michael Weisse,
1488-1534

Dieser Text wurde auch von Johannes Brahms als Op.13 - Begräbnisgesang vertont.


Oktober

Franziskusstatue in München

Wo Liebe ist und Weisheit
da ist nicht Furcht noch Unwissenheit.

Wo Geduld ist und Demut,
da ist nicht Zorn noch Verwirrung.

Wo Armut ist mit Fröhlichkeit,
da ist nicht Habsucht noch Geiz.

Wo Ruhe ist und Betrachtung,
da ist nicht Aufregung noch unsteter Geist.

Wo die furcht des Herrn ist,
das Haus zu bewachen,
da kann der Feind keinen Ort zum Eindringen finden.

Wo Erbarmen ist und Besonnenheit,
da ist nicht Übermaß noch Verhärtung.



hl. Franziskus von Assisi
Ermahnungen, Kapitel 27









Am 4. Oktober feiert der Franziskanerorden und die Kirche den Gedenktag des hl. Franziskus. Sein Todestag ist der 3. Oktober 1226.

In diesem Jahr wird am 3. Oktober um 18.30 Uhr die Franziskusstatue vor dem Franziskanerkloster St. Anna in München (Lehel) geweiht.


September

Fernsehturm in Berlin (c) pixelio.de

14. September – Kreuzerhöhung
Patronatsfest der sächsischen Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuz

  

 

Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.

In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben.

Durch ihn sind wir befreit und erlöst. (vgl. Gal. 6,14)

 

 

 

 Das Fest der Kreuzerhöhung wird seit dem Jahr 628 in der Kirche gefeiert. Es ist der Tag nach dem Weihetag der Konstantinischen Basilika über dem Grab Christi in Jerusalem, an dem im Jahr 335 den Gläubigen erstmals das Kreuz Christi gezeigt, d.h. erhöht, wurde. Es wurde im Jahr 325 von Kaiserin Helena wiederaufgefunden.

 Am Festtag der Kreuzerhöhung feiert man noch heute in der römischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche das Kreuz als Zeichen der Erlösung und Befreiung.

 In Berlin kann man an sonnigen Tagen täglich die Kreuzeserhöhung feiern: Wenn die Sonnenstrahlen den 1969 errichteten Fernsehturm treffen, bildet sich das Zeichen des Kreuzes über einer Stadt, in der nur noch gut Drittel der Bevölkerung einer Kirche angehört. Die DDR-Regierung versuchte nach dem Bau des Fernsehturms dieses Phänomen zu verhindern: Vergeblich.


August

(c) pixelio.de

Meer

Wenn man ans Meer kommt

soll man zu schweigen beginnen

bei den letzten Grashalmen

soll man den Faden verlieren


und den Salzschaum

und das scharfe Zischen des Windes

einatmen

und ausatmen

und wieder einatmen


Wenn man den Sand sägen hört

und das Schlurfen der kleinen Steine

in langen Wellen

soll man aufhören zu sollen

und nichts mehr wollen wollen

nur Meer


Nur Meer

 

Erich Fried


Juli

Unterwegs

ferien.
heissersehnt.
entgegengefieberte Zeit.

dann:
unterwegs zur ruhe.
ortswechsel.
positionswechsel.

endlich Zeit
für dinge, die sonst nicht wichtig sind,
aber es eigentlich sein
sollten

vorübergerauscht?
zuvieles vor.
zuvieles zu wichtig genommen.

unterwegs durch die Zeit.
anhalten wäre gut.

HALT!

ferien.
heissersehnt.
entgegengefieberte Zeit.

ortswechsel.
positionswechsel.

[tms]


Madonna mit Jesuskind in Trikot und Fußball. Darstellung im Kloster der Minoriten-Franziskaner in Montevideo/Uruguay (Foto: tms)

Juni

Hat Jesus Fußball gespielt?
Bestimmt.

Wenn es sowas gegeben hat,
wovon man wohl ausgehen kann.

 
Hat er dabei auch seinen Bruder Jakobus gegrätscht?
Die eine oder andere gelbe Karte eingesteckt?
Der Mutter den Wasserkrug von Tisch geschossen?
Bestimmt.
Er war ein eigenwilliges Kind, wie der Evangelist berichtet.

Profifußballer wurde er nicht.
Den Spruch, das „Runde ins Eckige“ hat er nicht gekannt.

Dafür hat er das Eckige rund gemacht: Grab und Tod
haben keine Bedeutung mehr.

Aber Sonne und Leben.

[tms]


Fusspuren im Sand

Mai

Tragen und getragen werden

Sich in den Armen des anderen
geborgen fühlen.

Sich gut aufgehoben wissen.

Sich gehalten und getragen wissen.

Der, der trägt,
er trägt nicht nur,
er wird auch getragen.

Vielleicht merkt er es nicht.
Vielleicht spürt er es nicht.
Vielleicht ahnt er es nur.

Die Erde trägt den,
der auf ihr steht,
den, der auf ihr geht.

Tragen und getragen werden.
Beeindruckende Erfahrungen.


Franz Josef Kröger


Blick von einer Bergkette

April

Einmal im Jahr
vom Frieden träumen,
zu wenig.

Einmal im Jahr
von Liebe träumen,
zu wenig.

Einmal im Jahr
von Hilfe träumen,
zu wenig.

Einmal im Jahr
von Jesus träumen,
zu wenig.

Einmal im Jahr
von Freiheit träumen,
zu wenig.

Einmal im Jahr
von Gott träumen,
zu wenig.

Einmal im Leben
einen Traum verwirklichen,
genug.


W. Schmölders


Bild eines leeren Grabes

März

gott stieg ans kreuz hinauf und starb
und sah nicht mehr wozu das gut war
und es kam finsternis über das land
es wurde nacht
erster tag
 
gott stieg in die hölle hinab
die von menschen gemacht war
er sah dem bösen ins auge
und es dämmerte am horizont
zweiter tag
 
und gott steigt aus dem grab der erde
und schafft das leben neu
er sieht dass alles gut ist jetzt und immer
es wird morgen und nie mehr abend
am dritten tag

andreas knapp


Februar

© pixelio.de

Mach uns unruhig, o Herr,
wenn wir über der Fülle der Dinge, die wir besitzen,
den Durst nach den Wassern des Lebens verloren haben;


wenn wir verliebt in diese Erdenzeit,
aufgehört haben, von der Ewigkeit zu träumen;


wenn wir über all den Anstrengungen,
die wir in den Ausbau der neuen Erde investieren,
unsere Vision des neuen Himmels verblassen ließen.


Bild eines Engels
Engelbild in der Krypta vom Marienberg im Vinschgau

Januar 2008

Neujahrswunsch


Meine guten Wünsche lege ich dir
ins Gedächtnis des Herzens, damit
sie dein Denken und Fühlen
berühren und erfüllen.


Meine guten Wünsche flüstere ich dir
in beide Ohren, damit sie dich trösten
und ermutigen in den Stunden der Not,
der Mühsal und der schweren Sorge.


Meine guten Wünsche singe ich dir
als Morgen- und Abendlied, damit
sie dich Tag und Nacht begleiten,
so wie die Treue deines Schutzengels.


Meine guten Wünsche gebe ich dir
mit auf den Weg als Segen, damit
du bewahrt bleibst an Seele und Leib
vor den bösen Mächten dieser Welt.


Meine guten Wünsche schicke ich dir
als Gebet in den Himmel, damit dein
Gott auch in Zukunft bestens für dich
sorgt und dir weiterhin den Rücken stärkt.

aus "Abendlicher Adventskalender 2007"
von Paul Weismantel


Grabstein mit der Inschrift "Gott ist die Liebe"
©Sieger Köder, Weihnachten in Greccio, Kinderdorf Ellwangen, Franziskuskapelle (Ausschnitt)

Dezember

Weihnachten erfahren
für heilende Stunden
der ansteckenden Gesundheit

Weihnachten erfahren
heilsame Begegnungen
die Verwundungen vernarben lassen

Weihnachten erfahren
unerwartetes Entgegenkommen
mitten in verhärteten Beziehungen

Weihnachten erfahren
strahlendes Aufleuchten
jener oft vergessenen Wirklichkeit:
Gott ist mit uns in allem

Weihnachten erfahren
hoffnungsstiftender Zuspruch
vor allen Ansprüchen:
gemeint zu sein vor aller Leistung

Pierre Stutz


Grabstein mit der Inschrift "Gott ist die Liebe"

November

Zwischen den beiden Eckdaten eines Menschenlebens,
die wir einritzen in den Grabstein,
zwischen Geburtstag und Sterbestunde
liegt all das Unausgesprochene, Unsagbare,
das nur Gott kennt.
Hinter jedem Namen
verbirgt sich ein Leben.

In dieser begrenzten Spanne zwischen Geburt und Tod
gab es Hoffnung und Angst eines Kindes,
Enttäuschung und Erfüllung einer großen Liebe,
Zärtlichkeit und Härte eines Vaters,
Erfolg und Verbitterung im Beruf .
Da liegen in jedem Menschenleben
Verdrängtes und Ausgelebtes,
schuldig werden und schuldig bleiben,
glauben und zweifeln.

Und nie ist diese Waage im Gleichgewicht.
Nichts ist glatt und vollendet.
Solange wir atmen, geht keine Rechnung auf.

Wir hoffen auf Gott,
dass er uns ruft aus dem Staub,
dass er unsere Bruchstücke sammelt
und uns ganz macht.
Nur er kann die »unvollendete Sinfonie unseres Lebens«
vollenden und zum Klingen bringen.

nach: Hermann Josef Coenen


eine Bank vor einem Berghang

Oktober

Gesegnet sei dein Dasein

Gesegnet sei dein Weg
Monat für Monat
mit all seinen klaren Spuren
und all seinen Verunsicherungen

Gesegnet seien deine Schritte
Woche für Woche
mit all ihrer Lebenskraft
und all ihrer Zerbrechlichkeit

Gesegnet sei dein Mitsein
Tag für Tag
in all deinen Lebensvollzügen
und all deinen Begegnungen

Gesegnet sei dein Dasein
Stunde für Stunde
in all deinem engagierten Wirken
und im lebensnotwendigen Innehalten.


Pierre Stutz


Bergwiese mit Nadelbäumen im Hintergrund und Felsmassiv

September

"Wer bist du, liebreicher Gott,
und wer bin ich, Würmlein, dein kleiner Knecht?"


So betet Franziskus im Sommer 1224 in der Bergeinsamkeit des La Verna,
"und das wiederholte er öfter ohne ein anderes Wort."

Angelus Silesius über das Gebet:
"Mensch, so du wissen willst, was redlich beten heißt,
So geh in dich hinein und frage Gottes Geist."


Wer bist du, Gott, und wer bin ich, Mensch?


Hochplateau mit einem Baum und Bergen im Hintergrund

August

Der mich atmen lässt

Der mich atmen lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich leben lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich schweigen lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich reden läst
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich warten lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich handeln lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich wachsen lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich Mensch sein lässt
    bist Du, lebendiger Gott

Der mich atmen lässt
    bist Du, lebendiger Gott


Anton Rotzetter






ein Stapel Bücher aufeinander liegend, auf den Buchrücken stehen die nahmen bekannter Literaten und Dichter

Juli

Bücher

Alle Bücher dieser Welt bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim in dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst, Sonne, Stern & Mond
denn das Licht, danach du frugst, in dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht in den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt — denn nun ist sie dein.


Hermann Hesse, Gedichte








im Feuer verbrennendes Holz
© pixelio.de

Juni

Brandstifter


Feuerflamme
Feuerzunge
Feuersäule

brennender Dornbusch
starkes Wort
mächtiger Geist

du Licht
du Glut
du Kraft

vor dir verstummen
und nur noch sein
von dir geleitet
und durch Wüsten gehen
von dir erfüllt
und überströmen

in Brand gesteckt
zum Leben angestiftet
zum Werden verführt

bricht sich Schweigen
in Worte
laden Wege
zum Mitgehen
wird Erfüllung zum Tun

werde ich
zum Brandstifter
in Sachen Leben



Andrea Schwarz


eine mosaikartige Mutter-Gottes-Darstellung im weißen Kleid

Mai

Magd des Herrn,
Mutter des Sohnes,
erfüllt vom Geiste:
sie heißt Maria.

Lass uns Herr,
die Jungfrau Maria entdecken,
die Ja sagt
und in schweigender Zärtlichkeit
den trägt, von dem sie
alle Worte bewahren wird:

Jesus,
den Sohn des Vaters,
den Sohn Mariens,
den Bruder aller Menschen
in alle Ewigkeit.


Pierre Griolet


ein Gipfelkreuz auf einem Stoß von Steinen und Felsblöcken, im Hintergrund blauer Himmel

April

 

Auferstehen aus ...



Auferstehen aus der Armut der Habgier
zum Reichtum des Teilens.

Auferstehen aus der Kälte der Einsamkeit
zur Wärme der Gemeinschaft.

Auferstehen aus dem Krieg der Zerstörung
zum Frieden der Versöhnung.

Auferstehen aus dem Dunkel der Angst
zum Licht der Hoffnung.

Auferstehen aus dem Streben nach Herrschaft
zur Macht der Liebe.

Auferstehen aus dem Trott des Alltags
zur Freude des (Außer)gewöhnlichen.

Auferstehen aus der Existenz dieser Zeit
zum Leben in Ewigkeit.

Frank Greubel


Blick auf einen Gehweg mit Rasenstreifen. Auf dem Boden ist der Schatten eines Baumes zu sehen, daneben der Schatten einer Menschen.

März

du bist dazwischen

Nach Sicherheit schreit es in mir
Nach Freiheit schreit es in mir
Nach Liebe schreit es in mir
Nach Wandlung schreit es in mir

Doch Du, der Du bist da:
Gibt Sicherheit nicht der Freiheit Grenzen,
nimmt sie nicht der Liebe ihren Geschmack,
ist sie nicht der Wandlung Tod?
Erteilt Freiheit nicht der Sicherheit eine Abfuhr,
nimmt sie der Liebe nicht ihre Verlässlichkeit
und der Wandlung ihren Reiz?

Ist die Liebe nicht der Sicherheit zuwenig,
der Freiheit zuviel
und der Wandlung Feind?
Will die Wandlung nicht die Sicherheit entmachten,
der Freiheit ihre Unendlichkeit nehmen
und der Liebe ihren Frühling?

Du bist, Du bist da:
Du bist dazwischen.

Christoph Stender


eine weiße Taube sitzt in einer fensterlosen Wandöffnung unter einem vorhängenden Dach

Februar

Herr, mach mich zu einem Werkzeug
deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält:
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.


Frankreich (1913)


Januar 2007

eine kleine Holztüre in eine Mauer eingelassen, die zum Gebetsraum des Hl. Franziskus führt

Oratorio di S. Francesco

Hinter dieser Türe hat Franziskus gebetet
sich verborgen vor der lauten, neugierigen Welt.
Hinter dieser Türe hat er sich selber ausgehalten,
sich Gott in seiner Armseligkeit hingehalten.

Hinter dieser Türe
und in vielen anderen Verstecken
wusste er sich angeschaut,
angerührt,
angesprochen
vom guten Vater und seinem Sohn.

Wenn er aus dieser Türe wieder heraustrat
und zu den Menschen in ihrer Armseligkeit ging,
brachte er etwas vom Licht und der Liebe,
die er selber empfangen,
in die laute Welt,
sie neugierig zu machen auf Gott.

"Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest,
und schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater,
der im Verborgenen ist.
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten."  Mt 6,6


P. C. Scheifele ofm