WER WIR SIND

Ich wurde zehn Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Kaiserslautern geboren und wuchs auch dort auf.
Mein Berufungsweg war eine über längere Jahre dauernde Entwicklung. Es fällt mir schwer, dies heute in Worte zu fassen. Begegnungen mit verschiedenen Ordensleuten haben wohl eine Rolle gespielt, wobei ich schon früh verspürt habe, daß ich mich nicht zum Priester berufen fühlte.
Obwohl ich zunächst keine Franziskaner kannte, rückte mir Franziskus und seine Ordensgemeinschaft immer mehr in den Blick. Durch meinen seinerzeitigen Militärpfarrer P. Leonhard Holtz ofm lernte ich schließlich das Franziskanerkloster in Fulda kennen. Nach einigen Aufenthalten dort, trat ich den Franziskanern 1962 bei.

Als Krankenpfleger im Internat und auf der Seniorenstation

Die ersten fünf Jahre meines Ordenslebens verbrachte ich in Fulda. Anschließend wurde ich nach Großkrotzenburg an das Kreuzburg-Gymnasium versetzt. Dort erfüllte ich in den Folgejahren vielfältige Aufgaben. Zunächst sorgte ich mich hauptsächlich um die Internatsschüler, die erkrankt waren und war in ähnlicher Weise auch für alle anderen Schüler zuständig. Weitere Aufgaben, die für mich hinzu kamen waren u.a. die Verwaltung der Lernmittelbibliothek und zuletzt die Arbeit an der Pforte.
Ich kam 1984 wieder auf den Frauenberg nach Fulda zurück und betreute dort die alten und pflegebedürftigen Mitbrüder.
Fünf Jahre später ging ich ins Wallfahrtskloster Weggental, wo ich als Sakristan und in weiteren, hausinternen Aufgabengebieten eingesetzt war.

Ein neues Lebensmodell entsteht

Br. Benedikt arbeitete rund 13 Jahre als Patientenfahrer

Ende der 80’er Jahre wurden in unserer Provinz bereits konkrete Planungs- und Umsetzungsschritte für die Neugründung einer kleinen Fraternität unternommen. Diese brüderliche Gemeinschaft sollte nicht wie die Gemeinschaft eines größeren Konventes sein, sondern vielmehr als Kleingemeinschaft, in nachbarschaftlicher Nähe in Mitten eines sozialen Brennpunktes entstehen. Als „Vorbereitung“ auf diese ganz andere Lebensweise habe ich eine Zeit im Kloster Wangen gelebt und konnte so entsprechende Erfahrungen sammeln.

Im August 1991 konnte in Frankfurt-Eckenhagen die neue Fraternität umgesetzt und verwirklicht werden. Ich zog mit zwei weiteren Mitbrüdern in eine Mietwohnung ein, die sich in einem Hochhaus mit 50 weiteren Mietparteien befindet. Unsere Aufgabe in Eckenhagen war und ist es, den Menschen des Stadtteils brüderlich nahe zu sein und mit praktischer Arbeit, Hausaufgabenhilfe, Seelsorge und anderes Hilfe zu leisten.

Unter den Menschen leben

Br. Benedikt in der Küche des Exerzitienhauses Hofheim
... mit seinem "Erste-Hilfe-Koffer" der anderen Art.

Franziskus sagte bereits in seiner Regel: „Die Brüder sollen von ihrer Hände Arbeit leben.“ Von diesem Vorsatz ausgehend und im Sinne des „Arbeiterpriesters“ suchte sich jeder von uns eine Arbeitsstelle.
Ich fand zunächst für drei Monate eine Anstellung als Hilfsarbeiter in einer Firma für Tiefkühlkost. Danach wechselte ich als Patientenfahrer in eine Frankfurter Klinik, wo ich bis zum Renteneintritt beschäftigt war.

Inmitten des heutigen Klinikalltages sah ich meine Aufgabe nicht nur darin, Patienten zum Röntgen oder zurück auf Station zu fahren, sondern ihnen vielmehr in Momenten der Angst, Unsicherheit und Sorgen ein offenes Ohr zu schenken und einfach „nur“ für sie da zu sein. Seit 2004 lebe ich im Exerzitienhaus in Hofheim und bin hier als Hausmeister eingesetzt.


Franziskaner zu sein bedeutet für mich heute, daß ich versuche, mit Franziskus zum Vorbild, in der heutigen Zeit meine Berufung zu leben. Dies heißt für mich konkret, keinen aufwendigen Lebensstil zu pflegen und den einfachen und armen Menschen, die die man schnell mal übersieht, nahe zu sein.

Bruder Benedikt Haag