Eggenfelden

Geschichte des Klosters in Eggenfelden

Die Entstehung des Franziskanerklosters Eggenfelden ist aufs engste mit der Leidensgeschichte des Dreißigjährigen Krieges verbunden. Nach dem zweiten Einfall der schwedischen Haufen im Jahr 1642 hatte die Bevölkerung die heutige Friedhofskirche schon als eine Pestgelöbniskirche errichtet, an der sie als Seelsorger Ordensgeistliche haben wollte. Im April 1648 kam als erster der Franziskaner P. Johannes Still in den Ort, der heute noch höchste Wertschätzung genießt. Ihm verdankt Eggenfelden, dass es damals von der verrohten schwedischen Soldateska nicht geplündert und angezündet wurde. Unermüdlich sich um die Pestkranken abmühend raffte ihn der Schwarze Tod nach kurzem Wirken am l. Oktober 1649 hinweg.

Die Patres mussten sich zunächst mit einem Notquartier im "Lazaretthaus" des Marktes, dem heutigen Anwesen Dirnberger am Franziskanerplatz begnügen. Im Jahr 1654 konnte mit der Erbauung von Kirche und Konventgebäude begonnen werden. Das Kloster nahm einen derartigen Aufschwung, dass man 1762 zwanzig Patres, neun Kleriker, sechs Fratres und zwei Tertiaren zählte. 1737 musste die Kirche wegen des großen Zustroms der Gläubigen nach Osten hin erweitert werden. Im Jahr 1783 hörten die dort lebenden sechzehn Patres über 80 000 Beichten.

Dann traf das Eggenfeldener Kloster die Säkularisation. Im September 1802 vollzog ein Landrichter die Auflösung. Die Klosterbewohner verfrachtete man nach Dietfurt an der Altmühl. Das Kloster samt Inventar kam unter den Hammer. Für 50 Gulden wurde die ganze Bibliothek verschleudert, die Orgel kam nach Mitterskirchen, die Turmuhr konnte man für das Rathaus in Massing gebrauchen. In die Konventgebäude aber zog eine Brauerei samt Gasthaus ein, und die Kirche wurde als Tanzsaal, Theaterbühne und sogar als Beschälstation geschändet.

Aber das Franziskanerkloster war im Ansehen der Bevölkerung derart verwurzelt, dass die Entweihung nur von kurzer Dauer war. Seit 1829 bemühte sich der Seilermeister Josef Geltinger, unterstützt von weiten Kreisen der Bevölkerung, um die Wiedererrichtung des Klosters. Gegen den Widerstand der Behörden und nach vielen Vorsprachen bei Bischof und Provinzial erreichte er in zwei Audienzen bei König Ludwig I. die Wiedererrichtung des Klosters. Sein Bestreben fiel zum Glück in die Zeit der allgemeinen "Klosterrestauration". Er gab nicht nur sein ganzes Vermögen von 1800 Gulden her; er ließ sich auch selber noch am 3. Februar 1841 als Laienbruder einkleiden und starb als Klostermesner in Eggenfelden am 1. August 1856.

1833 nahm Bischof Franz Xaver Schwäbl aus Regensburg die erneute Einweihung der Klosterkirche vor. Von überall her wurden Einrichtungsgegenstände zusammengeholt: das Hochaltarbild von München, ein Altar von Raitenhaslach, ein weiterer von Tittmoning, die Kanzel von Tann und der schöne Tabernakel von Dingolfing. So profitierte das Kloster letztlich von der verheerenden Kulturvernichtung, welche damals das Land getroffen hat.

Zwischen Zen-Medita- tion und Kegelbahn

"Unser Kloster" sagen die Eggenfeldener zum Franziskanerkloster. Und dies mit vollem Recht und in doppeltem Sinne: Einmal gehören das Grundstück und die Gebäude des Klosters seit der Wiedererrichtung nach der Säkularisation tatsächlich der Stadt Eggenfelden und dreizehn umliegenden Gemeinden, zum andern aber ist das Kloster so fest im Bewusstsein der Eggenfeldener verankert, dass sie es schlicht als das ihre betrachten.

 

Und da ist noch "ihre Kegelbahn", eine besondere Attraktion im Eggenfeldener Kloster. Früher gab es in zahlreichen Klöstern Kegelbahnen. Als einzige hat die von Eggenfelden überlebt. Das besondere daran ist, dass sie halbseitig offen gebaut ist, also eine echte "Open-Air-Kegelbahn". Seit alters her kommt jeden Dienstag die "Dienstagsgesellschaft", eine Gruppe Eggenfeldener Bürger zum Kegeln. Bei der jährlichen Nikolausfeier, die als Höhepunkt ihres geselligen Lebens gilt, ist das Refektorium voll mit Gästen. Schliesslich tun sie alle auch etwas, indem sie als "Besitzer" eine Gabe für den Erhalt des Kloster mitbringen.

 

Überdachte Freiluftkegelbahn neben dem Klostergarten