

- Die Fraternität in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung eines Frankfurter Hochhauses
Wohnsilos, moderne Betonwüsten, sozialer Wohnungsbau der siebziger Jahre - die Franziskaner-Fraternität im Frankfurter Stadtteil Eckenheim liegt im vierten Stock eines Hochhauses. Drei Brüder leben hier in einer Wohnung von 80 Quadratmetern. Viele Nachbarn sind Sozialhilfeempfänger, der Ausländeranteil ist hoch. "Franziskanische Spiritualität durch ein Hineingehen in die Realität der heutigen Welt zu leben", fasst Bruder Markus Heinze in Worte, was die Brüder dazu bewegte, 1991 hier eine Fraternität zu gründen. In Geschwisterlichkeit und Gastfreundschaft Leben und Gebet mit den Menschen teilen und so die Option für die Armen leben.
Eine offene Tür

- Viele Kinder und Jugendliche nehmen das Angebot der kleinen Fraternität mit Wohlgefallen an
Schon bald nach Gründung der Fraternität wurde an die Brüder die Bitte um Hausaufgabenbetreuung für die Kinder im Wohnviertel herangetragen. Mit der Zeit kamen immer mehr Kinder und Jugendliche, sodass Bruder Markus seinen Job als Briefträger aufgab, um sich dieser Aufgabe widmen zu können.
Viele Kinder und Jugendliche nehmen das Angebot der kleinen Fraternität mit Wohlgefallen an
Die Tür der Fraternität steht den Kindern und Jugendlichen jeden Nachmittag offen. Mittlerweile sind es gut 40 Jungen und Mädchen, die regelmäßig von dem Angebot Gebrauch machen, ein Kreis von weiteren 50 kommt ab und zu. Sie wohnen in den Hochhäusern der näheren Umgebung und entstammen fast alle Immigrantenfamilien. Gut 20 verschiedene Nationalitäten sind vertreten. Selbst streng muslimische Familien erlauben ihren Töchtern, zu uns Franziskanern zu kommen. Das Verhältnis ist von großem Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt.
Auch Spielen und gemeinsames Essen gehören dazu
Die Kinder und Jugendlichen, die regelmäßig zur Hausaufgabenhilfe kommen, haben fest vereinbarte Zeiten. Das sind zweimal in der Woche je eine Stunde. So sind immer zwei bis vier Schüler gleichzeitig da. Das bedeutet jeden Tag 15 bis 20 Kinder und Jugendliche, die die unterschiedlichsten Schulen besuchen, von der Vor- und Grundschule über die Gesamtschule bis hin zu Abiturienten und Berufsschülern - alles in einer kleinen Sozialbauwohnung. Es werden aber nicht nur Hausaufgaben gemacht und für Arbeiten gelernt. Die Kinder und Jugendlichen finden hier immer ein offenes Ohr - sei es für ihre Sorgen, sei es einfach, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch Spielen gehört selbstverständlich dazu. Manche kommen schon gleich nach der Schule zum Essen. Bruder Markus kocht jeden Mittag für seine jungen Gäste.
Miteinander ins Gespräch kommen
Über diesen Weg der Hausaufgabenhilfe haben wir mit vielen Familien aus der Umgebung Kontakt gefunden, und zu manchen ergaben sich sehr intensive und freundschaftliche Beziehungen. Der Austausch über Glaubensfragen, gerade über Religionsgrenzen hinweg, ist uns Franziskanern sehr wichtig. "Und ich habe noch nie so viele echte Glaubensgespräche geführt, besonders mit Jugendlichen, die meist ganz spontan entstanden sind und oft sehr tief gehen", berichtet Bruder Markus.
