
Ein scherzender Freund meinte: „In der Zeit des Juniorats wird also gerade gebogen, was im Noviziat verbrochen wurde!“ Doch weit gefehlt! Vielmehr dient diese Zeit der weiteren Klärung, ob ein junger Mann sein Leben bei uns im Orden verbringen kann und will. Menschen werden dabei nicht verbogen, sondern durch das gemeinschaftliche Leben lernt der Bruder sich und die Bruderschaft tiefer kennen. Er setzt sich weiter mit der Lebensform auseinander und versucht, seinen Platz in der Ordensprovinz zu finden. So soll am Ende des Juniorates eine gereifte Entscheidung für das Ordensleben stehen und sich eine Idee für ein Leben im Franziskanerorden entwickelt haben.
Als Zeit der Ausbildung ist das Juniorat eine Lehrzeit auf verschiedenen Ebenen. Die Brüder setzen sich mit Fragen zu ihrer Person auseinander und suchen eine tragende Form des geistlichen Lebens. Sie lernen Franziskus, die Franziskaner in aller Welt und die eigenen Provinzen kennen.
Die andere wesentliche Frage des Juniorates ist die nach einer beruflichen Ausbildung. Franziskus wollte, dass alle Brüder eine ordentliche Arbeit ausüben. Nach dem Noviziat, dem Einübungsjahr in den Orden, macht jeder Bruder eine Berufsausbildung, nimmt ein Studium auf, oder er arbeitet in seinem erlernten Beruf.
Wichtig ist, dass jeder eine Tätigkeit erlernt und ausübt, die seinen Fähigkeiten und Wünschen entspricht und die er gut in die Ordensgemeinschaft einbringen kann. Einige entscheiden sich für ein Theologiestudium, um Priester werden zu können, andere wählen Berufe wie Sozialarbeiter, Krankenpfleger, Handwerker, Lehrer ...

- Bruder Michael Blasek, Junioratsleiter
Da die Brüder während des Juniorates in verschiedenen Klöstern der Provinzen leben, finden, über das Jahr verteilt, Treffen aller Junioren statt. Gemeinsam verbringen sie Wochenenden und Exerzitien, um als Gemeinschaft der jungen Brüder das Ordensleben zu hinterfragen und auszuprobieren. Auch eine gemeinsame Urlaubswoche gehört zum Junioratsprogramm.
Nach frühestens drei und höchstens sieben Jahren im Juniorat kann ein Junior um die Zulassung zur ewigen Profess bitten. Diese Zeitspanne soll der verantwortlichen Entscheidungsfindung sowohl des einzelnen Bruders als auch unserer Ordensgemeinschaft dienen. Durch das Gebet vor Gott und in der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Leben der Bruderschaft sowie durch Gespräche zwischen Junior, Junioratsleiter und den anderen Brüdern der Gemeinschaft können beide Seiten die Berufung zum franziskanischen Ordensleben prüfen. Mit der ewigen Profess bindet sich der Bruder dann für sein Leben an unsere franziskanische Ordensgemeinschaft.

