WAS WIR TUN
Bruder Michael Blasek
Franziskus © Michael Blasek ofm

Gottes Geist ist schöpferisch. Wer - wie Franziskus - vom Geist Gottes gepackt ist, wird selbst schöpferisch tätig, wird kreativ. Und so hat die franziskanische Bewegung in der europäischen Kunstgeschichte seit ihren Anfängen im 13. Jahrhundert deutliche Spuren hinterlassen.

Das wohl älteste Zeugnis, der von Franziskus verfasste Sonnengesang, gilt als Beginn der italienischen Literatur. Er ist der bekannteste Text von Franziskus, in dem sich seine Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung und sein Gottvertrauen ausdrücken - beeindruckendes Zeichen seiner Kreativität und seines Lebensmutes.

Daher verwundert es nicht, dass viele unserer Brüder sich in der Nachfolge des heiligen Franziskus über ihre "eigentlichen" Aufgaben hinaus engagieren. Sie lassen den Talenten, die der Geist ihnen geschenkt hat, freien Lauf. Dabei sind sie nicht etwa isoliert, fern von sozialer Gemeinschaft, sondern tragen diese Talente in die Gemeinschaft der Brüder wie die ihrer Mitmenschen hinein - ob als Musiker oder als Künstler. Häufig sind sie in Bereichen tätig, die mit Kunst scheinbar nichts zu tun haben. Aber wenn wir ein wenig darüber nachdenken, so stellen sich uns Fragen: Kann ein franziskanischer Krankenhausseelsorger, ein Religionslehrer, ein Gärtner nicht ebenso kreativ, schöpferisch tätig sein? Wird er es nicht wie von selbst, wenn er Spaß und Erfüllung in dem hat, was er tut? In jedem Franziskaner, aber auch in jedem anderen Menschen, stecken kreative Potenziale, die es zu entfalten gilt.