
Als 1909 die damals knapp 2.000 Katholiken Mannheims am Ostufer des Neckars zur Kuratie St. Bonifatius zusammengefasst wurden, hatten sie noch keine eigene Kirche: Die Gottesdienste fanden im Wartesaal eines Bahnhofs und in einer Turnhalle statt. Doch schon 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, konnte unser heutiges Gotteshaus eingeweiht werden.
Die Welt ist unser Kloster
1925 übernahmen die Franziskaner die Seelsorge in St. Bonifatius – bis heute eine Herausforderung in einer Industriestadt wie Mannheim. ’’Die Welt ist unser Kloster“ – diese Auffassung vom Ordensleben lässt sich am heiligen Franziskus selbst ablesen. Für uns Franziskaner in Mannheim meint ’’Welt“ den Umgang und das Zusammensein mit den unterschiedlichsten Menschen: Alten und Jungen, Singles und Familien, Armen und Wohlhabenden, Feiernden und Trauernden, Frommen und solchen, die Glauben und Kirche abgeschrieben haben. So viele unterschiedliche Menschen da leben, so viele unterschiedliche Begegnungsmöglichkeiten gibt es.
Kontakt zu unterschiedlichen Lebenswelten
So ist es unser Ziel in der Pfarrei - und auch das unserer vielen MitarbeiterInnen -, uns nicht nur auf die "ergebenen Alten, die lieben Kinder, die frommen Beter und die viele Schreibtischarbeit" zu stürzen, sondern Kontakte mit Menschen unterschiedlichster Lebenswelten zu suchen. Beim Gebetskreis und im Kirchenchor sind andere Menschen zu finden als auf einer Elternversammlung im Kindergarten, in der DJK-Fußballmannschaft oder beim "Tanz in den Mai"; in der Hauptschule geht es anders zu als bei der Kommunionvorbereitung; Arbeit in Ausschüssen schafft andere Beziehungen als gemeinsam verbrachte Freizeiten. Weltweit engagieren wir uns in der Zusammenarbeit mit Franziskanern in Peru, wohin es nach Lima, Ayacucho und Cusco langjährige Partnerschaften gibt.
"Kloster" in der Stadt
Brennpunkt unseres Lebens ist die kleine franziskanische Gemeinschaft von vier Brüdern. Zwei von uns sind in der Pfarrseelsorge von St. Bonifatius und St. Bernhard engagiert. Wir sind ein Team, in dem wir einander gegenseitig helfen und korrigieren können.
Anziehungskraft kann einer Gemeinde niemand verordnen. Unser Lebenskonzept in Mannheim ist, dass unsere Brüdergemeinschaft und unser Umgang mit den Verantwortlichen in der Gemeinde als Einladung wirken soll. Schon bevor wir Gottes Wort verkündigen, will unser Zusammenleben ein Zeugnis für unseren Glauben sein.
Jeder Tag bleibt spannend: Denn all diese Begegnungen sind ja nicht nur ein Lehren und Geben, sondern genauso ein Lernen und Geschenktbekommen. Theodor Schober hat bei der 150-Jahr-Feier der Stuttgarter Evangelischen Gesellschaft gesagt: ’’Eine Stadt ohne Brüderlichkeit ist ein Stück vorweggenommener Hölle, trotz funktionierender Infrastrukturen und kreuzungsfreier Straßen.“ Da wir mitten in der Stadt wohnen, mag dieser Gedanke Überschrift und Motto sein für unsere franziskanische Präsenz – und das, was wir hier wollen: nämlich Brüder aller sein.

