Veranstaltungstipp: Aufführung zum 325. Geburtstag von Balthasar Neumann im Franziskanerkloster Vierzehnheiligen
Der Künstler Markus Grimm erweckt den Roman "Balthasar Neumann" in einem szenischen Ein-Mann-Stück zum Leben. Er spielt das Buch, rezitiert nicht einfach, sondern verkörpert Neumann und seine Zeitgenossen und holt ihre Welt in die Gegenwart. Am 28. September und am 12. Oktober in der Basilika Vierzehnheiligen jeweils um 20:00 Uhr.
Balthasar Neumann, vor allem bekannt als begnadeter Baumeister des Barock, ist vor 325 Jahren zur Welt gekommen. Den Menschen Neumann mit seinen vielfältigen Begabungen, die Verwicklungen mit den Schönborn-Bischöfen und den Alltag im 18. Jahrhundert beschreibt Markus Grimm in seinem Buch „Balthasar Neumann - Architekt der Ewigkeit”, das im Dezember erschienen ist. Dazu erweckt er den Architekten auf der Bühne in einem Ein-Mann-Schauspiel zum Leben.
Grimm ist Schauspieler und Erzähler, daneben aber auch Geschichtenerfinder und Autor. Würzburg, die Stadt, in der Balthasar Neumann sehr präsent ist, ist seit 20 Jahren Grimms Heimat. Zum Theologie-Studium hat es ihn hierher gezogen, hier hat er über das Alte Testament promoviert, an der Universität gearbeitet, bis er sich für eine Laufbahn als Schauspieler entschied. Nachdem der 43-jährige Grimm bereits Projekte über historische Figuren entwickelt hatte, etwa über Tilman Riemenschneider, drängte sich ihm die Frage auf: „Was ist Neumann für ein Typ?”
Mit dem Gefühl, dass es an der Zeit ist, den Barock-Visionär biographisch, romanhaft aufzuarbeiten, darin bestärkt von seinem Freund, dem Produzenten Herbert Löw, begann er mit seiner Recherche. Der Künstler stöberte nicht in düsteren Archiven nach Jahreszahlen. Zwar müssen die Daten und Fakten passen, doch schon im Geschichtsunterricht in der Schule hat er das Atmosphärische vermisst. Er wollte aufspüren, was die Menschen damals beschäftigt hat. Er wollte herausfinden, welche Werte sie angetrieben haben, wie sich ihre Suche nach dem Guten, Wahren, Schönen gestaltet hat. „Heute werden wir mit Sinn-Angeboten überfordert, aber was besitzt wirklichen Wert? Was ist bleibend gültig?”, lauteten seine Fragen, mit denen er sich auf auf die Spuren von Balthasar Neumann begab. Er las viel über ihn, studierte seine Briefe.
Das Wichtigste, um ein Bild zu gewinnen, waren jedoch die Besuche der Bauwerke. Hier suchte Grimm die Lösung des Rätsels, was für Visionen in Neumann steckten. „Das Schlüsselerlebnis war mein erster bewusster Blick in die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen”, unterstrich der Künstler. „Hier, im Inneren dieser Basilika, erkannte ich: Den Raum entgrenzen, das ist Neumann!” So wenig Mauer wie möglich, auch im Treppenhaus der Würzburger Residenz werde dies deutlich.
Parallel zu den Besuchen der Wirkungsstätten Neumanns, von Gößweinstein bis Zeil, zum Sammeln der Informationen und Eindrücke, absolvierte der Schauspieler weiterhin die Auftritte mit seinen Solo-Programmen. „Ich musste ja leben und Geld verdienen”, erklärte der Kulturpreisträger und Sprachbewahrer Grimm. Im vergangenen Sommer hat er sich dann doch auf das Schreiben des Romans konzentriert. Im September musste er sein Werk beim Verlag abgeben, im Dezember ging es in Druck.
Der Autor hat sich nicht nur mit Neumann beschäftigt, auch den anderen Figuren des Romans, die wichtige Rollen im Leben des Barock-Architekten spielten, hat er Gestalt gegeben. Jede einzelne findet er faszinierend, als besonders interessante Gestalt neben Balthasar Neumann nennt Grimm den Fürstbischof Anselm Franz von Ingelheim. „Ein außergewöhnlicher Bogen spannte sich von Neumann, dem ,Zauberer von Vierzehnheiligen‘, zu Ingelheim, dem Freund der Alchemie.”
Jetzt steht Grimm mit dem Programm „Balthasar Neumann-Architekt der Ewigkeit”, einer Adaption des Romans, auf der Bühne.
Das Interesse ist enorm, der Kurfürstensaal in der Residenz in Würzburg ist vier Mal hintereinander ausverkauft, die Zuschauer sind begeistert. Termine von Brühl bei Köln bis Bruchsal bei Heidelberg, alles Wirkungsstätten Neumanns, stehen in seinem Kalender. Im Herbst sind zwei Auftritte in Vierzehnheiligen geplant.
Auf die Frage, welches Werk Balthasar Neumanns er für das spektakulärste hält, antwortet Grimm nach kurzem Zögern: „Das Treppenhaus der Residenz ist wundervoll. Doch es ist die Basilika Vierzehnheiligen, hier hat er seine Vision vom unbegrenzten Innenraum am eindeutigsten verwirklicht.”
Text von Birgid Röder
- Links:
- Die von den Franziskanern betreute Wallfahrtsbasilika: www.vierzehnheiligen.de
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