
ie Brüder der Germania leben und arbeiten als Missionare in vielen Ländern der Welt. Bruder Benedikt Mertens ist einer von ihnen. Vor einigen Jahren wechselte er von der damaligen Thüringische Franziskanerproinz in die neu gegründete Westafrikanische Provinz über. Der gebürtige Mainzer berichtet:

- Bruder Benedikt Mertens
"Als kleiner Junge war ich von einem Kapuziner fasziniert, der nach Indonesien auswanderte und, durch die politischen Umstände gezwungen, dann sogar seine deutsche Staatsbürgerschaft aufgab. Sehr viel später, als Praktikant in einer Mainzer Nichtsesshaftenhilfe, war es wiederum ein Kapuziner, der mir zu denken gab: Er vertraute mir an, er würde uns bald verlassen, um im südmexikanischen Hochland mit der armen Bergbevölkerung zu leben.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir nicht vorstellen, selbst einmal die eigene Kultur und Sprache zurückzulassen, um mich einer solchen Herausforderung zu stellen. Andererseits war mir wenigstens theoretisch klar, dass die Offenheit und Bereitschaft, das Evangelium auch in mir unbekannte Räume hineinzutragen, eigentlich zum franziskanischen Leben dazugehört. Dabei brauchte ich gar nicht einmal an fremde Länder zu denken: Als aufgeschlossener Christ bin ich in Thüringen oder Frankfurt nicht weniger in einer missionarischen Situation als in exotischen Ländern mit einer christlichen Minderheit.
Trotzdem. Es gärte in mir. Ein Aufruf der Ordensleitung, der Interesse wecken sollte für ein neues Projekt in Ostafrika, hat mich elektrisiert. Auf einmal war ich innerlich frei und entschlossen, mich für dieses Projekt zu melden.
Es sollte dann aber doch noch ein paar Jahre dauern, denn ich war ja selbst noch in der Ordensausbildung.
Drei Prozent Christen
Als ich dann bereits Kaplan in unserer Mannheimer Pfarrei war, ergab es sich, dass ich unseren Provinzial bei einem Besuch in Westafrika begleiten konnte. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten drei Mitbrüder aus Deutschland in dieser Region. Der Provinzial bot mir an, nach der Kaplanszeit nach Togo (Westafrika) zu gehen. Das tat ich dann schließlich Anfang 1995. In Togo wirken seit 1956 Franziskaner der Pariser Ordensprovinz, verstärkt durch weitere Mitbrüder aus Kroatien und Polen. Seit den 80er Jahren gehört auch der Ordensnachwuchs aus den Staaten Elfenbeinküste, Togo und Benin zu dieser Mission (2001 ist hieraus eine selbständige westafrikanische Franziskanerprovinz entstanden).
Ich selbst war froh, nicht in den überwiegend christlichen Süden geschickt zu werden, sondern in die Savanne im Norden, in eine vom Staat recht vernachlässigte ländliche Gegend. Kein Strom. Kein Telefon. Analphabetenrate etwa 70 %. Die Menschen dort gehören zur Volksgruppe der Moba und sind Ackerbauern und Viehzüchter. Der Anteil der Christen beträgt ca. 3 %. Die große Mehrheit folgt der angestammten Religion, die mit ihren erdverbundenen Riten alle Lebensabschnitte sowie den Jahreskreis prägt. Die Religion der Moba bindet die Menschen in einen großen Beziehungszusammenhang ein, in dem die Mutter Erde sowie die Ahnen feste Bezugsgrößen sind.
Hitze und Handeln

- Bruder Benedikt mit Brüdern der im April 2001 gegründeten Vizeprovinz Westafrika
Meine ersten Schritte in diesem fremden Kulturraum waren nicht leicht. In den Monaten vor der Regenzeit wird es sehr heiß. Selbst im Zimmer steigt das Thermometer auf 37 °C! Daran muss man sich erst einmal gewöhnen.
Die Sprache der Moba habe ich nicht gerade komplett erlernt. Immerhin konnte ich nach drei Wochen bereits die Messtexte lesen und wenig später auf dem Markt die Preise verhandeln. Auch in punkto Ernährung galt es, sich auf Ungewohntes einzustellen.
Den Hundeliebhabern zum Beispiel erzähle ich besser nicht, welches Fleisch da ab und zu in die Moba-Kochtöpfe wandert ... Die Mitbrüder, zwei Togolesen und ein Pole, waren mir natürlich eine große Stütze in diesen ersten Monaten.
Gemeinsame Lernprozesse
Unser Pfarrgebiet in Borgou misst von einem zum anderen Ende 75 km und umfasst rund 90 Dörfer, in denen insgesamt drei Sprachen gesprochen werden. Die Hauptlast der Evangelisierung tragen die Katechisten der jeweiligen Dorfgemeinschaften. Ich selbst half vor allem, die örtliche Caritas zu organisieren, und kümmerte mich um mehrere Jugendgruppen. Ohne dass wir sie dazu drängen, entscheiden sich immer mehr Moba, manchmal sogar ganze Dörfer, auf die Frohbotschaft einzugehen und ins dreijährige Katechumenat einzusteigen. Ich glaube, das kann und muss geschehen, ohne dass dadurch die Moba-Identität Schaden leidet. Andererseits hinterfragt die christliche Botschaft traditionelle Praktiken und Lebenseinstellungen, die nicht dem Leben für alle dienen. So haben Frauen und Männer, die kinderlos bleiben, kein Anrecht auf ein würdiges Begräbnis. Aus diesem Kreis finden viele zu uns Christen. Ein anderes Beispiel: Während einer Meningitis-Epidemie wurde eine alte Frau sozusagen vor unseren Augen gesteinigt, weil sie angeblich als Hexe am Tod zweier Kinder schuldig war. Wir griffen ein und sorgten dafür, dass zum einen die Mörder strafrechtlich verfolgt wurden und zum anderen flächendeckende Impfungen gegen Hirnhautentzündung stattfinden konnten.
Wie ein einheimisches Christentum in diesen jungen Gemeinden auszusehen hat, wird sich erst in einem gemeinsamen Lernprozess zeigen. Jedenfalls ist es spannend, dazu beitragen zu dürfen."
Benedikt Mertens
