„Für materiell Arme engagieren sich viele Franziskaner, aber ich wollte gerne für psychisch kranke Menschen da sein“, sagt Rudolf Dingenotto, der seit 20 Jahren in den Psychiatrien von Herne, Münster und Berlin als Krankenhausseelsorger arbeitet. „Und Immer noch fahre ich morgens freudig und gespannt zu Menschen, die sich oft schämen, am Rande fühlen, belächelt werden, früh in Pension müssen – und die sich und die Welt und Gott nicht verstehen. Ihnen bin ich gern nahe.“
Damit sich Leser, die noch nie in der Psychiatrie waren, vorstellen können, wie das Leben dort aussieht, wirft er Schlaglichter auf Situationen, wie er sie an einem Tag im vergangenen Mai erlebt hat.

Auf diese Weise erlebe ich Seelsorge als wertvollen Dienst – auch in einem fast atheistischen Umfeld. In schweren Krisen fragen Menschen nach dem Sinn ihres Leidens, auch und besonders dann, wenn sie vielleicht erst 25 Jahre alt sind.
Viele Probleme kann ich anhören, nicht lösen. Wenn ich mit dem Rad von der Arbeit zurückfahre, im Klostergarten Blumen pflanze, mit den Mitbrüdern abends bete, übe ich das Loslassen. Ich muss nicht die ganze Welt erlösen.
Die Mehrzahl der Menschen, die Bruder Rudolf Dingenotto im St. Joseph Krankenhaus der Alexianer in Berlin-Weißensee begleitet, haben keinen religiösen Hintergrund. Von 300 Patienten sind gut 30 evangelisch oder katholisch, die meisten gehören überhaupt keiner Konfession an. Der preußische Kulturkampf, das Dritte Reich und die DDR-Zeit wirken nach! Zu den Gottesdiensten kommen zwischen fünf und 25 Personen. Was sollen wir Seelsorger da machen? Sie für den Glauben zu begeistern ist in etwa so schwierig wie einen Chor zusammenstellen aus Menschen, die noch nie vorher ein Lied gehört, geschweige denn selbst gesungen haben.
Auf großen Kongressen ist Religion in der Psychiatrie dagegen wieder in. Nach vielen Untersuchungen über die Wirkung von Religion ist allgemein anerkannt:
Bruder Rudolf begleitet(e) psychisch kranke Menschen im St. Marien-Hospital Herne, im St. Rochus-Hospital Telgte bei Münster, in der Charité Campus Mitte Berlin und im St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weissensee.