Franziskuskapelle in der JVA Neubrandenburg

Tür zur Kapelle

von Bruder Martin Walz OFM, Gefängnisseelsorger in Mecklenburg-Vorpommern

Im Januar 2009 wurde in der Justizvollzugsanstalt Neubrandenburg feierlich die Franziskuskapelle eingeweiht. Ein Ereignis, dass durch die Medien aufmerksam verfolgt wurde.

In der Regel werden Gottesdienste in den Gefängnissen unseres Landes in Mehrzweckräumen gefeiert. Das heißt : vorher und nachher aufbauen und abräumen und die Zeiten der Gottesdienste so legen, dass keine anderen Veranstaltungen behindert werden. Das heißt auch, dass sich die Gefangenen so verhalten, als ob sie bei irgendeiner Veranstaltung sind und nicht beim Gottesdienst.

Das alles führt zu Reibereien und zu einer großen Unzufriedenheit. Übereinstimmend war bei allen Gefängnisseelsorgern die Einstellung, dass wir eigene Räume für unsere Gottesdienste brauchen, Räume, denen man anmerkt, dass sie Kirche sind.

Zu unserer Gefängnisseelsorgekonferenz 2008 luden wir die Justizministerin des Landes ein Mecklenburg-Vorpommern ein, um auf diesen Missstand hinzuweisen. Wir fanden bei ihr sehr viel Verständnis, das sie in einem Satz äußerte: „Wir brauchen heilige Räume, gerade in den Gefängnissen, damit Menschen in Stille das klären können, was sie angeht.“ Sie versprach sich einzusetzen, dass für die Gottesdienste in den Gefängnissen ein eigener Raum zur Verfügung gestellt wird.

Aus einem ungemütlichen Speiseraum für die Gefangenen ist eine Kapelle mit viel Atmosphäre geworden

Blick i die Kapelle

Ein halbes Jahr später bot uns Seelsorgern die Anstaltsleitung der JVA Neubrandenburg den größten Raum der Anstalt als Kirchenraum an.

Doch es dauerte noch Wochen, bis der Raum hergerichtet war – tapezieren, malern und einrichten stand auf dem Programm. Wir wurden von vielen Seiten unterstützt: die Betriebe der JVA machten die praktischen Arbeiten, der Altar kam aus dem Franziskanerkloster Pankow, die Marienfigur aus der Gemeinde Herz-Jesu Lübeck und der Hl. Antonius aus der Gemeinde St. Laurentius Wismar. Auch einen Osterleuchter und eine Figur des Auferstanden konnten wir uns anschaffen. Nur auf die Kirchenfenster warten wir noch, sie sollen bis Pfingsten eingebaut sein.

Aus einem ungemütlichen Speiseraum für die Gefangenen ist eine Kapelle mit viel Atmosphäre geworden, ein Raum, in dem man still werden und über sich und sein Leben nachdenken kann. Das wird sowohl in den Gottesdiensten, die wir regelmäßig dienstags feiern, genutzt, als auch nachher in einem persönlichen Moment der Stille.

In manchen Situationen des Gefängnisalltages nutzen wir unsere Kapelle auch als Gesprächsraum. Wir Seelsorger merken, dass hier die Gespräche einen anderen Stellenwert bekommen, vielleicht weil der Gesprächspartner merkt, dass er in diesem Raum über sich selbst hinauswachsen kann, vielleicht auch, weil er spürt, dass in diesem Raum einer anwesend ist, der über unsere menschlichen Grenzen die Übersicht behält und uns so annimmt wie wir sind. 

Es ist wichtig, jemanden zu haben, der auf einen aufpasst

„Die Gefangenen sind anders“, sagte uns der Mitbruder, der einmal im Monat mit polnischen Gefangenen die Hl. Messe feiert. Er hat recht – seitdem wir in unserer Kapelle sind, sind die Gefangenen anders. Es ist eben schon beim Betreten der Kapelle zu merken, dass es ein Ort der Stille und des Gebetes ist.

Der Hl. Antonius hat bei unseren Gefangenen eine besondere Bedeutung, vielleicht macht das ein kurzes Erlebnis deutlich: Als ich in einem Gottesdienst erklärte, dass der Hl. Antonius Patron der Gefangenen ist, aber auch verlorene Sachen wiederfinden lässt, sagte einer der Anwesenden: „Man kann sich an diesem Ort sehr leicht verlieren.“ In dem sich an diese Bemerkung anschließenden  kurzen Gespräch kam er zu dem Schluss, dass es sehr wichtig ist, jemanden zu haben, der auf einen aufpasst.



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